Wandern im Sommer • Schweizer Wanderwege

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Vom Bleniotal in die Leventina Nr. 2338
Acquacalda — Predelp • TI

Vom Bleniotal in die Leventina

Die Wanderung könnte abwechslungsreicher nicht sein. Schon die erste Wanderstunde bietet einen Höhepunkt: Einen Steinwurf vom Pro Natura Zentrum Lucomagno entfernt betritt man das Waldreservat Salvasèca. Es besteht zur Hälfte aus subalpinem Fichtenwald. Die andere Hälfte wird von Lärche und Arve bestockt. Zusammen mit dem äusserst variationsreichen Gelände mit feuchten Hochmooren und felsigen, trockenen Standorten ist die Salvasèca Lebensraum für viele verschiedene Tiere. Auf der Alpe Larecc hat man die Waldgrenze erreicht. Mit der zweiten Wanderstunde erreicht man auch die Baumgrenze. Hoch über der Schlucht des Ri da Larècc steigt man zu einer kargen Hochebene auf, mittendrin der Lago di Cane. Er wird von den zahlreichen Canali di Lareccio gespeist, die von den umliegenden Pizzos fliessen. Interessante Nebensache: Hier – und später auch nach dem Passo Predèlp – befindet man sich auch direkt über dem Gotthard-Basistunnel. Bei Pt. 2231 zweigt man links ab und steigt die nächste Wanderstunde über einsames Gelände zum Passo Predèlp auf, dem Tor zur Leventina. Der Blick auf die Berge ist überwältigend. Eine letzte, grosszügige Wegstunde ist dem Abstieg nach Predèlp gewidmet. Den Wegzeichen folgend, erreicht man die Weiden der Alpe Sasso Jei. Der Weg ab hier ist steil und ab und zu nur als Spur zu erkennen. Zwischen den Grasnarben gilt es, den Schritt gut zu wählen. Auch der Vipern wegen. Sie lieben dieses Gelände. Es ist besonnt und gleichzeitig feucht, mit da und dort Wasser, das aus dem Felsen tritt. So erreicht man schliesslich die Alp Predèlp mit ihrer Busstation. Falls noch Zeit ist – der Bus in Richtung Faido verkehrt am späteren Nachmittag –, lässt sich im nahen Agriturismo bestens verweilen.
«Chriesibluescht» nahe des Gempen Nr. 2335
Arlesheim, Dorf — Gempen, Dorf • BL

«Chriesibluescht» nahe des Gempen

Wann in den Solothurner Jura losziehen? Wenn die Kirschbäume blühen oder die Landschaft schon saftig grün ist? Beides hat seinen Reiz, ist aber nicht gleichzeitig zu haben. Wer die Kirschblüte wählt, muss Anfang bis Mitte April bereit sein, um bei einem Schönwetterfenster gleich losmarschieren zu können. Etwas gemächlicher ist der Frühling zu erleben: Erst im Mai leuchtet die Natur sattgrün. Die Tour beginnt in Arlesheim BL, genauer in der dortigen Ermitage. Es ist ein abgeschiedener Ort der Stille. Die Gartenanlage hat drei Weiher, eine Eremitenklause und zahlreiche kleinere und grössere Höhlen. Auf der Hügelspitze thront das Schloss Birseck. Wer länger an diesem friedlichen Ort weilen möchte, findet auf der Website einen Rundgang mit über 30 Stationen. Nach diesem gemächlichen Start geht es durch Wald und an Felswänden vorbei hinauf zur Schönmatt. Sie ist etwas weniger bekannt für die «Chriesibluescht» als andere Orte und deshalb nicht überlaufen. Zwischen dem gleichnamigen Restaurant und dem Weiler Stollenhäuser stehen über 1000 Obstbäume. Eine wahre Pracht, die leider über Asphalt zu durchqueren ist. Nach Stollenhäuser wird es nochmals etwas steiler, um bald darauf flach und waldig die Schartenflue zu erreichen. Der dortige Turm kann erklommen werden: Dazu braucht es einen Einfränkler, um die Drehtüre zur Treppe zu öffnen. Der Stahlturm ist 28 Meter hoch und verfügt über fünf Etagen. Von der obersten aus blickt man bei gutem Wetter weit ins Baselbiet, ins Elsass, in die Vogesen und in den Schwarzwald hinein. Etwas weniger, aber immer noch genug Weitsicht bieten die Terrasse der Bärgbeiz Gempenturm oder die einfachen Feuerstellen auf der Flue. Danach ist es noch etwa eine halbe Stunde bis Gempen Dorf.
Rund um Neuenburg in die Natur eintauchen Nr. 2336
Neuchâtel — Neuchâtel, Place Pury • NE

Rund um Neuenburg in die Natur eintauchen

Diese Kurzwanderung kann schon sehr früh im Jahr unternommen werden, um den Frühling zu begrüssen. Es ist ein naturnaher Spaziergang rund um Neuenburg, der in der Altstadt endet und je nach Lust mit einer Schiffsfahrt abgeschlossen werden kann. Der Anstieg beginnt auf der nördlichen Seite des Bahnhofs, wo über die Faubourg de la Gare, die Rue de Fontaine-André und über eine Treppe am linken Strassenrand der botanische Garten erreicht wird. Blumen aus aller Welt zeigen sich in thematischen Gärten und Gewächshäusern von ihrer schönsten Seite. Der Park und das dazugehörende Café du Jardin bieten sich zum Verweilen an, bevor der Weg hinauf nach Pierre-à-Bot ansteht. Auch dort gibt es einen Park, ein Ausflugsrestaurant und viel Platz, um sich zu vergnügen. Am westlichen Ende führt der signalisierte Wanderweg zum mächtigen Findling Pierre-à-Bot. Der Rhonegletscher hat ihn in der letzten Eiszeit vom Montblancmassiv hergetragen. Der Wanderweg quert danach zwei Hauptstrassen. Bei der nächsten Möglichkeit biegt man rechts auf einen Waldweg ab, um schon bald auf den nächsten signalisierten Wanderweg zu stossen. Dieser führt durch die Gorges du Seyon, vorbei an weissen, mit Moos bewachsenen Kalkfelsen, welche die leisen Geräusche von der Hauptstrasse ganz unten in der Schlucht vergessen lassen. Bald ist Gor de Vauseyon erreicht, wo Kännel und Mühlenräder ans vorindustrielle Zeitalter erinnern. Beim Restaurant La Maison du Prussien hat sich der Seyon vor langer Zeit tief in den Felsen gefressen. Durch ein kleines Industriegebiet stösst man schliesslich in die Stadt Neuenburg und zum eindrücklichen Château vor. Von hier geleitet einen die Escalier du Château in die Altstadt, wo es rechterhand bis zur Place Pury geht – oder noch weiter bis zur Schifflände.
Im Thurgauer Garten von Karl dem Grossen Nr. 2333
Stettfurt, Dorfzentrum — Hüttlingen-Mettendorf • TG

Im Thurgauer Garten von Karl dem Grossen

Kaiser Karl der Grosse (748 bis 814 n. Chr.) überliess nichts dem Zufall: Um die Macht über sein Riesenreich zwischen Norddeutschland und Nordspanien zu sichern und um auf seinen vielen Reisen stets versorgt zu sein, erliess er die Landgüterverordnung. Diese schrieb unter anderem exakt vor, welche 89 Nahrungs-, Würz-, Heil-, Nutz- und Symbolpflanzen auf seinen Landgütern anzubauen seien. Liselotte und Beat Baumgartner haben im thurgauischen Mettendorf einen Karlsgarten nachgebaut. Die Wanderung führt zu dem Garten und startet in Stettfurt. Nach dem Gang durchs Dorf geht es zügig bergauf zum Schloss Sonnenberg auf dem unter Naturschutz stehenden Imebärg. Zahl- und artenreich blühen die Orchideen im lichten Wald. Das Schloss indes, 2007 von einem österreichischen Financier gekauft, ist zur Dauerbaustelle ohne Besuchsmöglichkeit verkommen. Rasten kann man rund eine halbe Stunde später, auf der wohl grössten Thurgauer Sitzbank. Bestimmt ein Dutzend Menschen geniessen hier die Sicht aufs Tal des Flüsschens Lauche. Der Weg zum Getschhuuserweier und nach Lustdorf zweigt kurz vor Wetzikon TG ab. Hat man das hübsche Dorf passiert, zeigen die Wegweiser nach Felben-Wellhausen. Erneut ist ruhiges Waldwandern angesagt. Für Abwechslung sorgt der Rundweg zu den Frauenschuh-Orchideen im Gebiet Bietehart. Taucht ein altes Hinweisschild «Achtung. Quellwasser Schutzgebiet» auf, verlässt man den signalisierten Wanderweg nach rechts und folgt dem breiten Waldweg. Dieser mündet bald in einen von rechts kommenden Weg, der einen in weiten Kehren nach Mettendorf bringt. Über die Oberdorf- und die Dorfstrasse gelangt man in die Honeggstrasse zum Karlsgarten. Er kann von Mai bis September am Mittwochnachmittag frei besichtigt werden, in der übrigen Zeit auf Voranmeldung (herborama.ch). Die Dorfstrasse und nach Querung der Hauptstrasse die Bahnhofstrasse führen schliesslich zum Bahnhof Hüttlingen-Mettendorf.
Durch Tessiner Dörfer und Kastanienwälder Nr. 2331
Cademario, Kurhaus — Vezio, Paese • TI

Durch Tessiner Dörfer und Kastanienwälder

Auf dieser Wanderung dreht sich viel um die Kastanie. Sie beginnt in der Kastanienselve von Cademario, durchquert den Kastanienhain Induno mit seinen mächtigen Bäumen und schliesslich die Selven von Mugena und Vezio. Die Wanderung beginnt beim Kurhaus in Cademario. Man folgt dem Schild «Alpe Agra 30 min» zurück in Fahrtrichtung Lugano. Nach wenigen Metern beginnt rechts der Anstieg. In einer weiten Schlaufe streift man die Selve von Cademario mit ihren im Frühling noch blattlosen Kastanienbäumen, bevor der Weg in einen hellgrünen Mischwald mündet. Die Abzweigung zu den beiden höchsten Punkten des Hügelzugs kann leicht übersehen werden. Man nimmt den Weg zur Linken, der über Treppenstufen in die Höhe führt. Der Aufstieg wird mit Ausblicken auf den Lago di Lugano und auf die Gipfel vom Monte Lema bis zum Gradicciòli belohnt. Auf der Alpe Agra warten zwei Amphibienschutzweiher in einer saftig grünen Wiese. Nun beginnt der Abstieg, teilweise auf Hartbelag, in Richtung Arosio. Noch vor dem Dorf lockt das Grotto Sgambada mit verführerischen Düften aus der Küche. Ab hier folgt der Weg dem Themenpfad Sentiero del castagno. Nach dem Kastanienhain Induno mit seinen wunderschönen, alten Kastanienbäumen führt die Wanderung auf Hartbelag durch die Dörfer Arosio und Mugena, die beide mit sehenswerten Kirchen aufwarten. Der letzte Wegabschnitt führt durch die Selven von Mugena und Vezio. Er verläuft in schattigen Wäldern mit zartgrünem Frühlingsblattwerk. Wildromantisch sind die Bäche, die in der Jahreszeit viel Schmelzwasser von den Gipfeln des Graducciòli und des Monte Magno ins Tal führen. Das Grà von Vezio, eines der drei letzten noch aktiven Trocknungshäuschen für Kastanien, liegt am Wegrand und kann dank der Infotafel nicht übersehen werden. Die Wanderung endet im verlassen wirkenden Dorf Vezio.
Kastanienselven und ein Grat im Malcantone Nr. 2330
Arosio, Paese — Astano, Paese • TI

Kastanienselven und ein Grat im Malcantone

Arosio ist sozusagen der Kastanienhauptort des Tessins. Im kleinen Dorf in Balkonlage begann Mitte der 1990er-Jahre die Wiederbelebung der traditionellen Tessiner Kultur – heute werden die Selven wieder gepflegt und bewirtschaftet. Während Jahrhunderten war das sogenannte Brot der Armen die Lebensgrundlage vieler Bauernfamilien – die Früchte zum Essen, das Holz zum Bauen, die Blätter als Streu fürs Vieh. Mit der Industrialisierung und Abwanderung wurden die sorgsam gepflegten Selven aufgegeben. In Arosio startet der Aufstieg zur zweitägigen Gratwanderung. Der Weg, am Anfang asphaltiert, steigt vorerst sanft und schattig an bis La Bassa. Dort weicht der Wald eher buschartiger Vegetation, was den steiler werdenden Aufstieg zum Gradicciòli zur aussichtsreichen und je nachdem auch schweisstreibenden Angelegenheit macht. Von dem mit einem imposanten Kreuz markierten Gipfel des Gradicciòli ist die Rundsicht überwältigend: Man sieht über die Stadt Lugano hinweg Richtung Mendrisiotto und Grossraum Mailand genauso wie bis zu den Walliser Hochalpen. Vom Gradicciòli biegt man ein auf den Weg der bekannten Wanderung zwischen Monte Tamaro und Monte Lema. Der Gratweg ist breit und einfach begehbar, stets hat man die beiden grossen Tessiner Seen vor Augen, den Lago Maggiore auf der einen, den Lago di Lugano auf der anderen Seite. Auf dem Monte Lema gibt es eine einfache Übernachtungsgelegenheit. Aber auch die Option, für die Nacht mit der Seilbahn hinunter nach Miglieglia zu fahren. Am zweiten Wandertag gibt es einen gepflegten, meditativen Abstieg praktisch auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien. Auf einem angenehmen ehemaligen Maultierpfad verlässt man den sonnigen Grat, taucht zuerst in Birken- und später in Buchenwälder ein, ehe das Grenzdorf Astano erreicht wird.
Voller Energie oberhalb von Cademario Nr. 2332
Cademario, Lisone — Castelrotto, Ospedale • TI

Voller Energie oberhalb von Cademario

Cademario ist ein besonderer Ort. Nach der Fahrt auf einer kurvenreichen Bergstrasse öffnet sich hier eine herrlich weite Landschaft. Claudio Andretta, Autor des Bestsellers «Orte der Kraft im Tessin» schreibt: «Auf den Hügeln und in den Wäldern rund um das Kurhaus fand ich mehrere Kraftorte vor, die geeignet sind, uns Vitalität zu geben und uns energetisch aufzuladen.» Einer dieser Hügel ist mit einer Kapelle gekrönt. Dieser strebt man von der Postautohaltestelle «Cademario, Lisone» nach Süden entgegen. Gleich beim Parkplatz geht es in den Wald und unter mächtigen Kastanien hindurch auf den Hügel von S. Bernardo. Wunderschön der Blick nicht nur nach Cademario und zum Pizzo di Claro, sondern auch in die andere Richtung über die Häuser von Novaggio hinweg zur Eisbastion des Monte Rosa. Der Abstieg führt zur Lichtung ob Iseo, wo sich bei der Weggabelung am Ristoro ai Gelsi nach links der Abstecher zur Kirche Santa Maria lohnt, die einen besonderen Blick zum Lago di Lugano schenkt. Beim Dörfchen Iseo wandert man nordwestlich an Rustici vorbei ins stille Val di Pre Murasca hinab und im Gegenanstieg nach Aranno. Eine alte Mulattiera führt westlich zur Magliasina hinunter, wo glasklare Badepools zur Erfrischung locken. Am anderen Ufer geht es erneut bergwärts und bei der Weggabelung links im Bogen um einen Hügel nach Curio mit seinem sehenswerten Museo del Malcantone, in dem man viel über Brauchtum und Auswanderung erfährt. Von Curio leitet der Wanderweg durch eine Wiesensenke nach Feredino und dann nach Biogno. Auf der Piazza biegt die Route links in einen Wiesenweg. Kurz bevor dieser auf die Strasse stösst, kann man links durch ein Gatter das Gelände des Weinguts Vallombrosa mit einer Open-Air-Kunstausstellung betreten. Am Agriturismo vorbei und über die Strasse ist gleich Castelrotto erreicht.
Üppiger Wald und ein Wasserfall im Malcantone Nr. 2329
Miglieglia, Paese • TI

Üppiger Wald und ein Wasserfall im Malcantone

Diese Wanderung durchs Malcantone bietet viel Natur – und eine kleine Lektion Geschichte. Die Dörfer Breno und Miglieglia lieferten sich während Jahrhunderten eine Fehde um den Flecken Land namens Tortoglio. Zum Glück konnten die Streitereien Anfang des 20. Jahrhunderts beigelegt werden. Zwei Brunnenfiguren in den Dörfern erinnern noch daran: der Asino di Breno und das Mulo di Miglieglia. Bis heute necken sich die Menschen mit diesen Übernamen: Jene aus Breno werden Esel genannt, jene aus Miglieglia Maultiere. Die Wanderung beginnt in Miglieglia. Man wandert südwärts Richtung Novaggio und von dort über den Bergwanderweg hinunter an die Magliasina. Dichter Wald, viel Farn und Moos sorgen für saftiges Grün. Es geht auf und ab durch die Hügellandschaft, bevor man – erneut dem Flüsschen entlang – durch einen Auenwald mit Weisserlen Maglio erreicht. Dort lädt ein malerischer Wasserfall mit tiefen Becken zum Abkühlen ein. Daneben liegt die restaurierte Hammerschmiede von 1860, die von einem Wasserrad angetrieben wurde. Sie kann von April bis Oktober besichtigt werden. Daneben gibt es einen kleinen Kiosk. Am Ufer der Magliasina geht es weiter bis Rencé, wo der Aufstieg nach Breno ansteht. Es lohnt sich, noch etwas durch die engen und mit Natursteinen gepflasterten Gässlein zu schlendern. Der Eselsbrunnen liegt direkt am Wanderweg, der einen anschliessend in Kastanienwälder entführt. Bei Tortoglio steht eine kleine Kapelle, in der eine Gedenktafel an die Versöhnung der beiden Dörfer 1907 erinnert. Das letzte Stück Weg schlängelt sich durch den Wald, bevor es – über den Hügel mit der Kirche und durchs schöne Dorf – an der Bushaltestelle «Miglieglia, Paese» beim Brunnen endet, dessen Maultier aus Bronze mit den Hinterbeinen in Richtung Breno ausschlägt.
Eine tolle Aussicht von der Bündner Rigi aus Nr. 2328
Ilanz — Morissen, center communal • GR

Eine tolle Aussicht von der Bündner Rigi aus

Wenn es um die Aussicht geht, steht die Bündner Rigi – wie der Piz Mundaun liebevoll genannt wird – dem Zentralschweizer Namensvetter in nichts nach. Diese Frühlingswanderung führt aber nur bis zum gleichnamigen Gasthaus an der Flanke des Berges. Dort wartet ein eindrückliches 180-Grad-Panorama auf die Surselva, zahlreiche Gipfel zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Nun gibt es diese Aussicht aber nicht einfach so. Sie muss mit 900 Höhenmetern Aufstieg verdient werden. Dieser beginnt im sehenswerten Städtlein Ilanz. Die Route bleibt wo immer möglich auf Naturwegen, zweimal gibt es aber etwas längere Abschnitte auf Asphalt. Von Weitem schon sieht man das Berghaus Bündner Rigi, das auf 1600 m ü. M. thront. Doch zuerst geht es durch den Wald nach Luven. Im hübschen Dörfchen empfiehlt sich ein Halt am historischen Brunnen, an dem die Wäscherinnen früher arbeiteten. Heute ist hier ein überdachter Picknickplatz. Danach geht es am Waldrand entlang weiter aufwärts, um über ein Strässchen bis Crest zu wandern. Nun führen Wegspuren über Blumenwiesen – ab und zu ein Blick zurück ins Tal darf darüber nicht vergessen werden. Schliesslich ist das Berghaus erreicht. Es wurde 1902 erbaut als eine der ersten Herbergen in der Surselva und hat in der Hauptsaison geöffnet. Während der restlichen Zeit wird es für künstlerische Projekte genutzt. Nun bleibt der Weg auf der Höhe und führt in den Uaul da Sogn Carli. Der Wald wurde 1874 durch eine Stiftung des Schweizer Geologen Arnold Escher von der Linth aufgeforstet. Dieser gilt als Urvater der Schweizer Alpengeologie, da er die erste geologische Karte der Schweiz mitpublizierte. Der Wald ist auf Deutsch nach ihm benannt: Escherwald. Auf einer kleinen Lichtung steht schliesslich die Kapelle Sogn Carli. Über einen sonnigen Abschnitt, gefolgt von einem Waldstück, wandert man hinunter ins Dörfchen Morissen.
Wo einst am Rhein der Salzhandel blühte Nr. 2326
Diessenhofen — Schaffhausen • TG

Wo einst am Rhein der Salzhandel blühte

Die Via Rhenana macht als eine der zwölf Hauptrouten von Kulturwege Schweiz eine der wichtigsten Wasserstrassen der alten Eidgenossenschaft erlebbar: den Hochrhein zwischen Kreuzlingen und Basel. Auf 195 Kilometern Länge führt sie durch eine Kulturlandschaft, die geprägt ist vom Fluss, von seiner Geschichte und vom Salzhandel, der auf dem Hochrhein abgewickelt worden ist. Der Abschnitt zwischen Diessenhofen und Schaffhausen bietet viel Abwechslung zwischen üppiger Natur und quirligem Stadtleben. Diessenhofen besitzt die grösste mittelalterliche Altstadt im Thurgau. Der Wanderweg vom Bahnhof zum Rhein folgt der Stadtmauer und passiert die Burg Unterhof mit ihrem markanten Turm. Bald steht man vor den Mauern des ehemaligen Klosters St. Katharinental. Die imposante Anlage beherbergt heute eine Rehabilitationsklinik. Die barocke Klosterkirche lädt zu einem Abstecher ein. Der nächste Wegabschnitt steht im Zeichen des Naturwaldreservats Schaare. Auengebiete, Moore, Tümpelchen, eine artenreiche Tier- und Pflanzengemeinschaft und eine historische Festung gibt es hier zu entdecken. Der schmale Weg schlängelt sich mal am Ufer des Rheins entlang, führt dann wieder tiefer in den Wald. Über den Fluss geht es bei der zweiten ehemaligen Klosteranlage des Tages, in Altparadies. Eine Glocke am Steg ruft den Fährmann, und in schneidiger Fahrt ist das andere Ufer bei Büsingen erreicht. Der Ort gehört politisch zu Deutschland, ist aber ganz von der Schweiz umschlossen. Mehrere Versuche für einen Staatswechsel scheiterten. Zu Fuss ist der Staatswechsel einfacher ausführbar, und alsbald findet man sich im Lindli Rheinuferpark wieder, in einer beliebten Grünanlage Schaffhausens. Die Stadt hat mit dem Salzhandel ihre Hochblüte erreicht, die stattlichen, bestens erhaltenen Häuser und ihre Erker zeugen bis heute davon. Ein Bummel durch die Altstadt beschliesst den Wandertag.
In der stadtnahen Natur an der Aare Nr. 2325
Bern Felsenau • BE

In der stadtnahen Natur an der Aare

Am Startpunkt dieser gemütlichen Rundwanderung, bei der RBS-Bahnstation Felsenau, ist man noch mitten in der städtischen Zivilisation. Über dem Kopf den Autobahnviadukt, vor den Augen die Schnellstrasse, im Rücken die Stadt Bern. Aber es braucht nur ein paar Schritte durch eine Art Unterführung, und schon kann man erahnen, was diese ganzjährig schöne Wanderung im Frühjahr ausmacht: die Variation von Grüntönen im Wechselspiel von Aare und Bremgartenwald. Der Weg führt zuerst hinunter zur Aare und dort über den schmalen Seftausteg ans andere Ufer. Erst 2025 wurde dieser Uferabschnitt renaturiert. Schon bald gerät flussabwärts die imposante Halenbrücke, die den Fluss auf 40 Metern Höhe überquert, ins Blickfeld. Es geht weiter über einen breiten, nicht asphaltierten Weg durch unbebautes Gebiet. Nach knapp einer Stunde erreicht man grün überwucherte Wohnsiedlungen. Die Überbauungen Aumatt und Schlossmatt, erbaut ab den 1980er-Jahren, gehören zu den ersten Berner Siedlungen, mit denen urbanes, gemeinschaftliches Lebensgefühl in die Agglomeration verlagert wurde. Auf dem Lochmattsteg, der zurück ans andere Ufer führt, vermitteln die Wohntürme des Kappelenrings am Horizont Grossstadtgefühle, während unter den Füssen die Aare träge ins Naturparadies Wohlensee fliesst. Der Weg führt nun aareaufwärts leicht ansteigend und schattig zurück. Einmal öffnet sich Richtung Aare eine grosse, aussichtsreiche Lichtung. Hier befindet sich die Ethologische Station der Universität Bern, wo unter anderem soziale Verhaltensexperimente mit Wanderratten durchgeführt werden. Gleich darauf wird man wieder vom Wald verschluckt. Nach einem kurzen Anstieg quert man den überraschend steilen Glasgrabe. Bald erreicht man die Abwasserreinigungsanlage Neubrück – und damit die Zivilisation. Wenige Minuten später steht man wieder am Ausgangspunkt.
Sonnige Uferwanderung entlang der Reuss Nr. 2324
Hünenberg, Dorf — Maschwanden, Dorf • ZG

Sonnige Uferwanderung entlang der Reuss

Dass es im Schweizer Mittelland und in den breiten Alpentälern unterdessen rund 5000 Biber gibt, ist keine Selbstverständlichkeit: Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Nagetier in der Schweiz vollständig ausgerottet. Erst im 20. Jahrhundert ist der Biber wieder angesiedelt worden und breitet sich seither kontinuierlich aus. Seit 2010 ist er auch im Kanton Zug ansässig – insbesondere im Gebiet Ennetsee zwischen Reuss und Zugersee, wo diese Wanderung situiert ist. Von der Bushaltestelle «Hünenberg, Dorf» führt der Wanderweg zunächst durchs Quartier und dann zur frei zugänglichen Burgruine – dem historischen Ursprung Hünenbergs. Nach einem Abschnitt durch schattigen Wald entlang des Drälikerbachs geht es auf einem Feldweg über die Reussebene Richtung Fluss weiter. In der Ferne erhebt sich die Silhouette des Pilatus. Ist man am Reussufer angekommen, folgt der Wanderweg stets dem Fluss – entweder auf dem Damm oder ufernah. Es ist heiss hier, die Wanderung empfiehlt sich deshalb am Morgen oder gegen Abend. Die Uferzone ist geprägt von Weiden, Erlen, Sanddorn und Wiesenblumen. Wer aufmerksam ist, entdeckt lauter angenagte Baumstämme – Spuren des Bibers. Bei der geschichtsträchtigen Reussbrücke auf Höhe Zollweid bietet das Restaurant Zollhuus eine Rastmöglichkeit. Auf dem Damm fahren hier auch Velos – der markierte Wanderweg führt deshalb ufernah weiter. Immer wieder laden lauschige Plätze zum Verweilen oder Füssebaden ein. Am Ende führt der Pfad durchs Naturschutzgebiet Maschwander Allmend. Wer möchte, kann noch bis zum Rüssspitz weiterlaufen – dem Punkt, wo Reuss und Lorze zusammenfliessen. Der offizielle Wanderweg führt auf direktem Weg nach Maschwanden, vorbei am idyllischen Naturbad und hinein ins beschauliche Dorf auf Zürcher Seite.
Industriegeschichte am Zugersee Nr. 2323
Zug, Brüggli — Hagendorn, Lorzenmatt • ZG

Industriegeschichte am Zugersee

Zug ist vor allem bekannt für seine Kirschtorte und die vielen Briefkastenfirmen. Dass der kleine Zentralschweizer Kanton bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zu den am stärksten industrialisierten Regionen des Landes gehörte, wissen viele nicht. Hier entstanden Spinnereien, Papier- und Maschinenfabriken sowie Grossmolkereien. Als Energiequelle diente das Flüsschen Lorze, das am Rande der Stadt Zug in den Zugersee mündet und ihn bei Cham wieder verlässt. Auf dem insgesamt 30 Kilometer langen Industriepfad Lorze kann die Entwicklung von Zug zu einem der reichsten Kantone der Schweiz nachverfolgt werden. Die Bushaltestelle «Zug, Brüggli» liegt praktisch unmittelbar an der Lorze-Mündung. Der Wanderweg führt hier westwärts dem Seeufer entlang, vorbei an Badewiese und Campingplatz in Richtung Cham. Bei Chollermüli hat die Alte Lorze ein grosses Delta aufgeschüttet, wo heute gebadet und grilliert werden kann. Weiter verläuft der Weg der Bahnlinie entlang bis in den Hirsgarten, einen Park am See bei Cham. Nun folgt die Wanderung der Lorze flussabwärts, mitten durch die stark wachsende Gemeinde Cham. Nach der alten Hammerschmiede, die heute ein stattliches Anwesen ist, wird es weniger städtisch. In der idyllischen Flusslandschaft finden sich auch immer wieder Anlagen zur Stromgewinnung. Bei Rumentikon verlässt der Weg das Flussufer und führt durch das Dorf und über Wiesen bis zum Zisterzienserinnenkloster Frauenthal. Es ist das älteste seiner Art in der Schweiz, heute noch in Betrieb und kann besucht werden. Zurück nach Hagendorn und zur Bushaltestelle «Lorzenmatt» geht es auf der anderen Seite der Lorze, teilweise der wenig benutzten Landstrasse entlang. Kurz vor dem Ziel gibt es noch einen frühen Zeugen der Wasserkraftnutzung zu bestaunen: die Rekonstruktion eines römischen Wasserrades, mit dem hier vor fast 2000 Jahren Korn gemahlen wurde.
Orchideen auf dem Weg zum Wildspitz Nr. 2322
Goldau, Sportplatz — Unterägeri, Chlösterli • SZ

Orchideen auf dem Weg zum Wildspitz

Orchideen gehören mit ihren oft extravagant geformten Blüten zu den schönsten Entdeckungen am Wegrand. Dazu kommt, dass viele der 70 Schweizer Arten nur selten anzutreffen sind. Eine der schönsten Orchideen ist der Gelbe Frauenschuh. Sein grosser, intensiv gelber «Schuh» und die drei schmalen, purpurbraunen Blütenblätter bilden ein kontrastierendes Blütenpaar. Ein lohnender Ort, den seltenen Frauenschuh zu sehen, ist das Bergsturzgebiet oberhalb von Goldau SZ; die Blütezeit liegt je nach Jahr zwischen Mitte Mai und Ende Juni. Nach dem Niedergang der Felsmassen 1806 konnte sich stellenweise ein lichter Wald bilden, in dem der Frauenschuh die richtigen Bedingungen findet. Damit die Pflanzen überleben und sich auch vermehren können, ist es wichtig, sie aus etwas Distanz zu betrachten, damit der Boden um sie herum nicht verdichtet wird. Insgesamt gedeihen im Gebiet etwa 30 Orchideenarten, und auch seltene Schmetterlinge wie der Gelbringfalter und Vögel wie die Zippammer und der Wanderfalke leben hier. Die Wanderung beginnt in der Nähe des Natur- und Tierparks Goldau. Von hier führt die Wanderlandroute Nr. 828 «Goldauer Bergsturzspur» durch den Wald in die Höhe. Auf etwas über 900 m ü. M. ist ein Rundweg angelegt, auf dem man einige schöne Frauenschuh-Horste sieht. Dann geht es einer Krete entlang auf den Gnipen und zum Wildspitz, dem mit 1580 m ü. M. höchsten Punkt im Kanton Zug. Gleich unterhalb des Gipfels steht das Berggasthaus Wildspitz mit einer grossen Aussichtsterrasse und einem tollen Blick über den Lauerzersee und auf die Innerschweizer Alpen. Wer hier übernachtet, kann sich auf einmalige Lichtstimmungen bei Sonnenunter- und -aufgang freuen. Vom Wildspitz geht es via Punkt 1282, Alpli, Buschenchappeli und Zittenbuech nach Unterägeri, Chlösterli hinab.
Frühlingswanderung durch Moränenlandschaft Nr. 2321
Menzingen, Dorf — Sihlbrugg, Dorf • ZG

Frühlingswanderung durch Moränenlandschaft

Einen Pakt mit dem Teufel hätten sie geschlossen, die Bauern aus Menzingen. Sie wollten mehr Land, und der Teufel habe über Nacht die vielen Rundhöcker geformt, die nun die Landschaft zwischen Menzingen und Sihlsprung prägen. Doch die Bauern merkten rasch, dass sie betrogen worden waren. Die steilen Hänge waren schwierig zu bewirtschaften. Also ärgerten sie den Teufel und setzten auf jede Kuppe eine Linde. So zumindest erzählt es die Sage. In Wirklichkeit haben die sich zurückziehenden Gletscher von Reuss und Linth die einzigartige Moränenlandschaft von nationaler Bedeutung geformt. Und die mittlerweile mehrere Hundert Jahre alten Linden wurden gepflanzt, wenn auf einem Hof ein Stammhalter geboren wurde. Von Menzingen schlängelt sich der Wanderweg malerisch zwischen den Moränenhöckern durch – und auch mal darüber, weshalb man zwischendurch ordentlich ins Keuchen kommt. Wunderschöne Hochstammobstbäume und stattliche, gepflegte Höfe prägen das Bild; das Panorama reicht vom Säntis über die Churfirsten bis zur Rigi. Holzhäusern, Winzwilen und Schwand heissen die Wegpunkte unterwegs, danach gehts ordentlich bergab, am Fischrestaurant Sihlmatt vorbei zum Sihlsprung. Die Sihl rauscht hier wild und laut durch die enge Schlucht. Ein kurzer Tunnel schützt den Wanderweg vor Steinschlag. Von der schmalen Brücke, die auf die andere Flussseite führt, hat man einen tollen Blick auf das schäumende Wasser. Lauschig schlängelt sich nun der Weg fast bis zum Schluss der Tour dem Fluss entlang. Immer wieder laden kleine Buchten zum Bad und zur Rast. Kurz vor Sihlbrugg ändert die Welt; viel befahrene Strassen, Industriebauten, Autogaragen und Tankstellenshops übernehmen. Dazwischen hat es noch Platz für die Haltestelle des Busses, der einen nach Baar an den Bahnhof bringt.
Wilde Wasser auf der Via Albula Nr. 2339
Preda — Spinas • GR

Wilde Wasser auf der Via Albula

Die Via Albula/Bernina führt auf ihrer sogenannten Königsetappe von Preda nach Spinas im Val Bever (GR). Beeindruckend ist die Alpseenlandschaft auf dem Crap Alv, spektakulär der Blick vor dem steilen Abstieg ins Val Bever. Die Wanderung startet in Preda, sieben Kilometer oberhalb von Bergün, das man mit dem Zug von Chur aus erreicht. Die Bahnlinie ist von der UNESCO als Welterbe zertifiziert, sodass schon die Anreise zur Wanderung ein Erlebnis ist. Vom Bahnhof Preda aus führt die Wanderung rasch in den Wald. Im Schatten steigt man auf in Richtung Albulapass, vorbei am lieblichen Palpuognasee. Wer bereits eine Pause einlegen möchte, findet hier viele schöne Picknickplätze. Der weitere Weg führt mittels Holzstege über viele Bäche und über Alpweiden. Die Bäume lichten sich je weiter man ansteigt. Zweimal quert man die Passstrasse, bevor der Weg kurz vor der Passhöhe nach rechts in ein Seitental abzweigt. Hier eröffnet sich einem ein mit jedem Schritt fantastischerer Blick auf den Lajets digl Crap Alv. Der Bergsee liegt unter einem steil abfallenden Hang, und ist in eine hügelige, schroffe Alpinlandschaft eingebettet. Von hier aus nimmt man den Schlussanstieg zur Fuorcla Crap Alv unter die Füsse, ein stetiger Anstieg auf einem gut ausgebauten Weg. Richtiggehend spektakulär dann ist der Anblick in Richtung Engadin von der Fuorcla auf 2466 M. ü. M. aus. Der wilde Fluss Beverin schlängelt sich durch das Val Bever, soweit das Auge in beide Talrichtungen sieht. Steil abfallende Hänge und majestätische Gipfel runden das imposante Bild ab. Schnell ist aber wieder Konzentration statt Weitblick gefragt: Der Abstieg ins Tal ist nicht zu unterschätzen: Er ist steil, rutschig und exponiert und geht mit 700 Metern Höhenunterschied in die Beine. Belohnt wird man auf dem Talboden mit der idyllischen Flusslandschaft, die zum Picknicken und Kühlen der Füsse im wilden Beverin einlädt, bevor in Spinas die Wanderung endet und man wieder die Albulabahn besteigt.
Über die Strada Romana am Monte Ceneri Nr. 2302
Rivera-Bironico — Contone, Posta • TI

Über die Strada Romana am Monte Ceneri

Der Monte Ceneri ist der schnellste Weg von Norden nach Süden. Mehr Pass als Berg, wurde er schon von den Römern benutzt, und bis vor Kurzem war er ein neuralgischer Punkt im Schweizer Verkehrsnetz. Mit der Autobahn und dem Basistunnel jedoch ist in den Dörfern am Ceneri Ruhe eingekehrt. Eine trostlos anmutende Ruhe. Schnell verlässt man darum Rivera in Richtung des Weilers Soresina. Hier trifft man auf die Mulattiera, einen schön und durch Wald zu gehenden Maultierpfad. Eiche, Buche und Kastanie herrschen vor. Ab und zu trifft man auf Pionierbäume wie die Birke. Sie stehen im Verbund, ein Zeichen dafür, dass der Wald jung ist. Bei der Lichtung In Túmba kann man die trutzigen Militärbauten auf dem Monte Ceneri erkennen. Die Wanderung folgt auf der Passhöhe dem Wegweiser zur Strada Romana, um wenig später auf die geschichtsträchtige Strasse zu treffen. Eindrücklich ist sie zu sehen, aber nicht ganz einfach zu gehen. Tafeln am Wegesrand erklären die Geschichte sowie die aufwendigen Restaurationsarbeiten. Bei der Haarnadelkurve, die in die Via San Giorgio führt, verlässt diese Wanderung die historische Strasse und folgt rechterhand dem Waldweg in Richtung Contone, einem der Dörfer am Rand der Magadinoebene.
Milde Winde am Baldeggersee Nr. 2298
Hitzkirch, Bahnhof — Baldegg Kloster • LU

Milde Winde am Baldeggersee

Angenehm ist es, im Winter an einem See entlangzuwandern. Das Klima ist mild, das Wasser gibt Wärme an die Umgebung ab und die Bäume und Sträucher entlang des Ufers halten den Wind auf, sodass er nicht kalt in die Knochen fährt. Die Klimagunst will auch diese Wanderung am Baldeggersee nutzen. Ausgangspunkt ist Hitzkirch LU. An der barocken Pankratius-Kirche vorbei und durch das lauschige Tälchen des Dünkelbachs erreicht man das Schloss Heidegg. Erstmals 1192 urkundlich erwähnt, ist der Bau jünger. Der Turm etwa stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Hier überrascht zudem der Rebberg. Auch die Reben profitieren vom See und vom milden Klima. Am Schloss vorbei führt der Weg hinunter nach Gelfingen an den Baldeggersee. Man wandert nun dem Ufer entlang, vom Wasser durch einen Gürtel aus Bäumen, Sträuchern oder Schilf getrennt. Die Wanderung endet bei der Kantonsschule Seetal. Die mächtigen Gebäude kann man nicht übersehen. Zuvor aber lohnt sich noch ein Blick auf den See und seine Wintergäste. Gelegenheit dazu bietet eine Vogelbeobachtungsstation am Ende des Sees. Von hier sind es noch 200 Meter bis zu einer Stichstrasse, die zur Schule und zum Bahnhof Baldegg Kloster führt.
Zu den Türmen am Baselbieter Wiseberg Nr. 2297
Häfelfingen, Bad Ramsach — Läufelfingen • BL

Zu den Türmen am Baselbieter Wiseberg

Vom Aussichtsturm auf dem Wiseberg BL blickt man über den hügeligen Basler und Solothurner Jura. Dahinter sieht man die Alpen: vom Bachtel über den Speer, von den Mythen über den Hohgant und den Guggisberg bis zum Gurnigel. Es ist bei sichtigem Wetter eine Aussicht der Extraklasse, die diese Wanderung zu bieten hat. Ausgangspunkt ist Bad Ramsach, das man mit dem Rufbus ab Rümlingen erreicht. Der Bahnhof Rümlingen befindet sich oberhalb des Dorfs. Die Bushaltestelle des Rufbusses aber liegt unten im Dorf, gleich gegenüber der Kirche. Nach der Ankunft in Bad Ramsach führt der Weg durch Buchenwälder den Berg hinauf zur Hasmatt. Kurz darauf erreicht man den höchsten Punkt des Wisebergs auf 1001 Metern mit seinem Aussichtsturm. Die 128 Stufen lohnen sich. Panoramatafeln helfen, die Berge zu benennen. Zurück in Bad Ramsach wäre die Wanderung zu Ende, wäre da nicht die nahe Burgruine Homburg, die einen Besuch lohnt. Knapp einen Kilometer geht es auf der Strasse Richtung Läufelfingen. Dann betritt man wieder Wald. Ein schöner Weg führt hinunter zur Ruine mit ihrem Turm, dem zweiten auf diese Wanderung. Nach Läufelfingen ist es nun noch ein Katzensprung.
Quer durchs Val de Ruz Nr. 2290
Grand-Chézard — Neuchâtel, Pont des Parcs • NE

Quer durchs Val de Ruz

Das Neuenburger Val de Ruz ist ein weitläufiges, flaches Tal, flankiert von zwei Gebirgszügen. Die Wanderung quer durch das Tal startet in Chézard-St-Martin. Auf Naturwegen und durch Felder hindurch geht es zum Bois d’Yé. Im kleinen Waldstück sind ein Lehrpfad zum Neuenburger Wald und mehrere hübsche Picknickplätze zu finden. Zuerst auf Beton und danach auf Asphalt führt der Weg nach Engollon und zur Pfarrkirche des Orts mit ihren sehenswerten, mittelalterlichen Fresken. Nach der Überquerung des Seyon, des wichtigsten Wasserlaufs im Tal, erreicht man via Vilars den Hang von Chaumont. Von hier, im Süden des Tals, erstreckt sich der Blick bis auf die nördliche Bergkette mit dem Mont Racine und dem Tête de Ran. Der nächste Abschnitt folgt, nun wieder auf natürlichem Untergrund, dem Waldrand bis zur vermutlich im 16. Jahrhundert erbauten Kirche von Fenin. Anschliessend geht es zwischen den herbstlich verfärbten Bäumen hindurch hinunter nach Valangin. Das schmucke Dorf ist einen Rundgang wert und bietet einen Reigen historischer Bauwerke – von den beiden Häuserreihen der Hauptgasse aus dem 15. und 18. Jahrhundert über die zwischen 1500 und 1505 erbaute Kirche bis zum berühmten Schloss aus dem 13. Jahrhundert. Auf dem Weg durch die Seyon-Schlucht warnt ein Schild vor schwierigen Passagen. Tatsächlich ist der Pfad stellenweise schmal und recht abschüssig. Bald wird er aber wieder breiter und führt über ein Stück eines Römerwegs und schliesslich der Felswand entlang. Der Fluss ist von hier aus nicht zu sehen, die Strasse weiter unten aber umso besser zu hören. Ein letzter Höhepunkt der Wanderung wartet am Ende der Schlucht: Beim Gor de Vauseyon sprudelt der Fluss zwischen den Felsen, und alte Schaufelräder erinnern an die Mühle, die einst hier stand, wo heute das Maison du Prussien seine Gäste empfängt.
Vom Reussufer zum Erdmannlistei Nr. 2289
Rottenschwil, Hecht — Waltenschwil, altes Schulhaus • AG

Vom Reussufer zum Erdmannlistei

Der Erdmannlistei ist der Höhepunkt dieser gemütlichen Herbstwanderung. Er befindet sich auf einem Moränenwall mitten im Wald zwischen Wohlen AG und Bremgarten und besteht aus drei mächtigen Findlingen, die aufeinander gelagert ein Kunstwerk der Natur bilden. Die Felsblöcke stammen aus dem Aaremassiv und wurden vor Jahrtausenden von Aare- und Reussgletscher bis ins Mittelland transportiert. Die Wanderung beginnt am Rande von Rottenschwil, direkt bei der Stilli Rüss, dem am besten erhaltenen Flussaltwasser der Schweiz. Wer will, dreht hier eine kleine Erkundungsrunde, bevor die eigentliche Wanderung beginnt. Diese führt mitten in den Auenschutzpark Aargau hinein. Auf einem Schotterweg führt die Wanderung zunächst auf einem Damm entlang dem Flachsee. Vogelbeobachtende kommen in diesem Zugvogelreservat voll auf ihre Kosten und sollten den Feldstecher nicht vergessen. Zur Rechten wiegt das Schilf, zur Linken breiten sich Riedwiesen, Altläufe und Weiher aus. Bei Hermetschwil lohnt sich ein kurzer Abstecher hinauf zum Benediktinerinnenkloster St. Martin, das noch heute von neun Schwestern bewohnt wird. Auf einem Naturpfad geht es entlang der Reuss weiter – das Laub raschelt, die Sonne blinzelt durch das herbstliche Blätterdach. Die Luft surrt vom Vogelgezwitscher, ein Silberreiher hockt am gegenüberliegenden Flussufer. In Bremgarten West passiert man den Bahnhof und folgt der Signalisation durch das Quartier, bevor man in den Wald eintaucht. Über Wurzelwege gewinnt man sanft an Höhe. Schliesslich trifft man auf den imposanten Erdmannlistei und zahlreiche Feuerstellen. Kurz darauf verlässt man den offiziellen Wanderweg und folgt den Wegweisern Richtung Freiämter Sagenweg, der hinter dem idyllischen Waldweiher Cholmoos beginnt. Vorbei an einem Damhirschgehege, wandert man schliesslich ins beschauliche Dorf Waltenschwil, wo die Wanderung endet.
Wanderung zur Mitte Liechtensteins Nr. 2288
Steg FL, Tunnel • LI

Wanderung zur Mitte Liechtensteins

Wandern und Mathematik sind beste Freunde. Mithilfe der Mathematik lassen sich Wanderzeiten, Weglängen und Höhenunterschiede berechnen, und dank ihr ist es möglich, den exakten Mittelpunkt eines Landes zu bestimmen – den man auch besuchen kann. Zum Beispiel jenen des Fürstentums Liechtenstein. Georg Schierscher hat diesen Punkt anlässlich des «Weltjahres der Mathematik 2000» errechnet. Ein 4,5 Tonnen schwerer Findling markiert den Punkt mit den Koordinaten 760'361 / 223'297 auf der 1721 Meter hoch gelegenen Alp Bargälla. Die Wanderung zum geografischen Mittelpunkt führt über den Plattaspitz, einen unscheinbar wirkenden Gipfel mit fantastischer Aussicht auf das Fürstentum Liechtenstein, die Vorarlberger Alpen und das Rheintal. Die Tour bietet viel Abwechslung trotz relativ kurzer Wanderzeit. Nach dem Start in Steg steigt der Weg zügig an zum aktuell geschlossenen Berggasthaus Sücka. Kurz danach erreicht man den alten Tunnel, der seit 1864 den Zugang vom Tal in die Bergsiedlungen Steg und Malbun erheblich vereinfacht. Passieren tut man den Tunnel erst auf dem Rückweg. Erst einmal heisst es aufsteigen zum Plattaspitz auf zunehmend schmaler werdendem Weg. Rund um den Gipfel ist dieser mit Ketten gut gesichert. Der Gipfel bietet gerade mal zwei Menschen Platz, um die Aussicht zu geniessen. Besser rasten lässt es sich auf den schönen Weiden rund um den Bargällasattel. Der Abstecher vom Sattel zum geografischen Mittelpunkt ist gut markiert, der markante Stein mitten auf der Alpwiese bei Bargälla ist nicht zu übersehen. Der Rückweg nach Steg ist Genusswandern pur. Durch lauschige Wälder und vorbei an der Walsersiedlung Silum steht man alsbald vor dem alten Tunnel, der einen von der Rheintalerseite zurück ins Saminatal und zum Ausgangspunkt der Tour bringt.
Felstürme in den Waadtländer Alpen Nr. 2287
Tête d'Aï • VD

Felstürme in den Waadtländer Alpen

Die Rundwanderung um den Tour de Famelon ist voller geologischer Sehenswürdigkeiten. Sie beginnt und endet am Tête d’Aï, den man von Leysin aus mit einem Sessellift erreicht. Eine Schotterstrasse führt zum Lac de Mayen, wo die gleichnamige Berghütte unter anderem Fondues und belgische Biere, aber auch Erzeugnisse vom Hof im Direktverkauf anbietet. Weiter geht es den Wegweisern nach in Richtung Tour de Famelon und linker Hand zum Lac Segray, am Fuss des Tour de Mayen. Nachdem man noch etwas Höhe gewonnen hat, geniesst man einen prächtigen Blick auf das Profil des Felsturms, den benachbarten Tour d’Aï und den Grat zwischen den beiden Gipfeln. Nächste Station ist Sur les Truex, wo sich ein überwältigendes Panorama öffnet. Dahinter erstreckt sich ein Karrenfeld, das an eine Mondlandschaft erinnert, mit zerklüfteten und teils scharfkantigen Karstformationen. Entsprechend ist Trittsicherheit gefragt und trotz der faszinierenden, durch jahrhundertelange Prozesse geformten Kulisse stets auf die Markierungen am Boden zu achten. Über das Karrenfeld gelangt man an den Fuss des Tour de Famelon und umrundet diesen – wer mag, erklimmt auch noch den Gipfel. Das steinige Terrain wird von Feldwegen abgelöst, und nach einer Stärkung im Chalet Les Fers geht es schliesslich zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung. Dieser letzte Abschnitt führt durch einen grossen Felskessel, der noch einmal beeindruckende Anblicke bietet – umso mehr, wenn Bäume, Sträucher und Moose in herbstliche Farben getaucht sind.
Unterwegs zum wilden Schnittlauch in Samnaun Nr. 2286
Alp Trida — Samnaun-Compatsch, Dorf • GR

Unterwegs zum wilden Schnittlauch in Samnaun

Wer von der Wanderung etwas Kleines mit nach Hause nehmen möchte, ist auf der Unter Malfrag oberhalb Samnauns am richtigen Ort. Denn in diesem Talkessel wächst im Juli und August wilder Schnittlauch. Von Weitem schon sieht man die dunkleren Feldpartien am unteren Zandersbach: Es ist sumpfig dort, ideale Lebensbedingungen für den Schnittlauch. Wer ihn schneiden will, tut dies am besten barfuss und mit heraufgekrempelter Hose. Ein scharfes Messer ist nötig, damit man die Zwiebel der Pflanze nicht aus dem Boden reisst. Die Wanderung beginnt mit einer Seilbahnfahrt bis Samnaun-Ravaisch, die in der Gästekarte inklusive ist. Hinauf geht es zum Alptrider Sattl und wieder hinunter auf die Alp Trida. Zu Fuss erklimmt man dann den Spatlasattel, der auf der Karte Fuorcla heisst. Von hier aus umrundet man den Talkessel Unter Malfrag. Dabei gelangt man auf die österreichische Seite des Tals – Identitätskarte also nicht vergessen. Nach dem Schnittlauchsammeln geht es über den Matschiberlesattel ins Zanderstal. Der Weg ist rot-weiss markiert, die Wegzeichen muss man aber zeitweilen etwas suchen. Bald biegt man auf ein Alpsträsschen mit Naturbelag ein, das rechter Hand entlang eines riesigen Alpenrosenteppichs, linker Hand an zahlreichen Orchideen vorbei zur Fliesser Alpe führt. In der Jausenstation lässt sich einkehren und Alpkäse kaufen, man bezahlt mit Euro. Das Strässchen zieht sich durch Blumenwiesen weiter talwärts, bis kurz vor der Schweizer Grenze mehrere Wegweiser nach Bödra zeigen. Die Höhe haltend, wandert man auf dem Kulturweg nach Samnaun-Compatsch, nicht ohne vorher noch einen Blick auf die ein Dutzend Modellhäuser zu werfen, die der Dorfchronist Arno Jäger alle selbst gebaut hat. Die Häuschen stehen draussen und können frei besichtigt werden.