Berg-Knigge: Wie verhalte ich mich beim Wandern richtig?
Berg-Knigge: Wie verhalte ich mich beim Wandern richtig?
Fettnäpfchen, Fauxpas oder einfach nur Unwissen: mit unserem Berg-Knigge sind Sie auch draussen souverän unterwegs und trittsicher in Sachen Etikette. Wir nehmen Sie mit auf einen Wanderausflug und zeigen, wie Sie der Natur, Tieren und andere Wandernden respektvoll begegnen. Bitte, gern geschehen.
Ein Wanderausflug in die Berge: frische Luft, schöne Aussicht, ein leckeres Picknick und vielleicht ein Sprung in den Bergsee. Klingt perfekt. Doch wer draussen unterwegs ist, begegnet nicht nur Kühen, Murmeltieren und Wandernden, sondern auch ein paar ungeschriebenen Regeln. Mit den folgenden Verhaltenstipps im Gepäck sind Sie bestens gerüstet, um anderen nicht auf die Füsse zu treten.
1. Anreise: Guter Stil beginnt bereits im Zug
Wer mit Zug, Bus oder Postauto anreist, schont nicht nur die Umwelt, sondern erspart sich auch die Parkplatzsuche. Zum Berg-Knigge gehört aber auch hier ein wenig Rücksicht: Rucksack abnehmen, wenn es eng wird, Sitzplätze nicht mit Wanderschuhen oder Wanderstöcken blockieren und anderen Fahrgästen den Einstieg ermöglichen. Wer aufeinander acht nimmt, schafft nicht nur Platz, sondern oft auch Raum für ein nettes Gespräch.
2. Znünipause: Was in den Rucksack kommt, kommt auch wieder zurück
Nach den ersten Kilometern meldet sich der Hunger. Zeit für einen kleinen Snack. Den Abfall nehmen wir anschliessend wieder mit ins Tal oder entsorgen ihn beim nächsten Abfalleimer. Das gilt nicht nur für Verpackungen. Auch Bananenschalen und andere vermeintlich «natürlichen» Abfälle gehören nicht in die Natur. Denn sie verrotten je nach Umgebung nur langsam und können Wildtiere anlocken. Die einfache Bergregel lautet: Was du hinaufträgst, trägst du auch wieder hinunter.
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3. WC-Pause: Wenn die Natur ruft
Während jeder längeren Wanderung kommt irgendwann die Notdurft. Am besten: vorausschauend planen und die vorhandenen Toiletten nutzen. Wer es nicht mehr bis zum nächsten WC schafft, sucht sich ein stilles Örtchen abseits des Weges. Dabei auf Absturz- oder Steinschlaggefahr achten. Eine vorhandene Mulde eignet sich besonders gut. Alternativ kann ein rund 15 Zentimeter tiefes Loch graben werden. Anschliessend das Geschäft mit Erde oder Steinen bedecken. Wichtig: Mindestens 50 Meter Abstand zu Gewässern halten. Menschliche Ausscheidungen können Gewässer belasten und die Gesundheit von Wildtieren gefährden. Taschentücher und Toilettenpapier im Plastiksack mitnehmen und im Tal entsorgen.
4. Mittagessen: Wo darf ich picknicken?
Mittags ist die Aussicht so schön, dass das Picknick am liebsten gleich neben der nächsten Berghütte stattfinden soll. Doch auch in den Bergen gilt: Nicht jeder schöne Platz ist automatisch ein Picknickplatz. Bei Hütten, Restaurants oder auf privaten Grundstücken sollten Tische, Bänke, Terrassen oder Wiesen deshalb nicht einfach in Beschlag genommen werden. Wer das eigene Sandwich dabei hat, sucht sich am besten einen geeigneten öffentlichen Rastplatz – oder fragt kurz nach, ob das Picknicken erlaubt ist. So bleibt die schöne Aussicht für alle ein Genuss – und auch die Hüttenbetreiberinnen und -betreiber freuen sich über rücksichtsvolle Gäste.5. Abkühlung im Bergsee: Rein ins Nass? Nicht so schnell…
Nach dem Mittagessen lockt der Bergsee. Kristallklares Wasser, strahlender Sonnenschein – ein Sprung ins kühle Nass scheint geradezu Pflicht. Nun das aber: Nicht jeder Bergsee ist zum Baden freigegeben. Schutzgebiete, empfindliche Uferzonen oder die Trinkwassernutzung können gegen ein Bad sprechen. Und wenn Baden erlaubt ist, gilt: Bitte nicht ins Wasser pinkeln. Was im Schwimmbad schon keine gute Idee ist, ist in einem kleinen, natürlichen Gewässer besonders problematisch. Bergseen haben ein empfindliches Ökosystem und häufig nur einen geringen Wasseraustausch. Auch Sonnencreme, Shampoo oder Duschgel gehören nicht ins Wasser. Wer sich abkühlen möchte, sollte deshalb möglichst sauber und rücksichtsvoll ins Wasser steigen und die lokalen Vorgaben beachten.
6. Übernachtung: Wie funktioniert das in der Hütte?
Die Beine sind müde, die Aussicht war grandios und heute Nacht wird auf der Berghütte geschlafen. Jetzt kommt der Hütten-Knigge zum Zug. Eine Berghütte ist ein gemeinschaftlicher Ort. Rücksicht ist deshalb besonders wichtig: Schuhe gehören an den vorgesehenen Platz und nasse Kleidung wird nicht quer über den Schlafraum verteilt. Auch beim Essen und den sanitären Anlagen gilt: sauber hinterlassen und die Regeln der Hütte respektieren. Und dann wäre da noch die Königsdisziplin: die Nachtruhe. Wer früh am nächsten Morgen auf den Gipfel möchte, freut sich über die Nachtruhe um 22 Uhr. Und für Frühaufstehende gilt: bereits am Vorabend packen, möglichst geräuschlos verhalten und Stirnlampe statt Zimmerbeleuchtung.
Zum Hüttenknigge
7. Rückreise: Der Berg-Knigge endet nicht am Wanderziel
Am nächsten Morgen geht es wieder talwärts. Wer mit dem öV zurückfährt, nimmt nicht nur seinen Rucksack mit, sondern auch den gesammelten Abfall, seine Wanderstöcke und hoffentlich viele schöne Erinnerungen. Guter Stil am Berg bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, aufmerksam zu sein: gegenüber der Natur, gegenüber den Menschen, die hier leben und arbeiten, und gegenüber allen, die ebenfalls draussen unterwegs sind.
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