• Von der Alp Pro Redond ist es nur noch ein Katzensprung bis auf den Monte Carza. Bilder: Jürg Rüttimann

    Von der Alp Pro Redond ist es nur noch ein Katzensprung bis auf den Monte Carza. Bilder: Jürg Rüttimann.

    Cannobio • EU

    Auf den Terrassen der Bergbauern

    Die Wanderung von Cannobio auf den Monte Carza nach Carmine Superiore und wieder zurück zum Städtchen auf dem Delta des Bachs Cannobino ist auch ein Sprung zurück in die Vergangenheit. Nicht auf den ersten Blick: Denn vorerst verzaubert die Wanderung einen einfach mit herrlichen Aussichten auf den Lago Maggiore, schönen Wäldern und malerisch weit oberhalb des Sees gelegenen Dörfern. Dann aber sind die Spuren der zahlreichen Bergbauern allgegenwärtig, die früher die Hänge intensiv nutzten, in den Zwanzigerjahren aus wirtschaftlichen Gründen aber wegzuziehen begannen. Selbst wenn sie heute vielfach überwachsen sind, haben die Terrassen für die Felder und Gärten den Berg genauso geprägt wie die Pfade, die heute schöne Wanderwege sind, früher aber zu den Bauernhäusern führten und die Siedlungen miteinander verbanden. Zeugen früherer Zeit sind auch die alten Bewässerungskanäle aus Steinen. In eine andere Zeit versetzt fühlt man sich schliesslich in Carmine Superiore. Das Dorf ist nie ans Verkehrsnetz angeschlossen worden, und die Häuser wurden in den vergangenen Jahren von Nachkommen einstiger Dorfbewohner und anderen Liebhabern renoviert. Dementsprechend malerisch sind die Gässchen des Dorfs, das einst um die Hausburg einer Adelsfamilie herum entstanden ist. Mehr als nur einen flüchtigen Blick wert ist auch die Dorfkirche mit Fresken aus dem 15. Jahrhundert. Die Spuren eines jüngeren Kapitels der Geschichte sind dagegen etwas schwerer auszumachen. So war der Monte Carza im Ersten Weltkrieg Teil der Verteidigungslinie, die Italien damals gegen möglicherweise über die Schweizer Pässe kommende österreichisch-deutsche Truppen errichtete. Aufmerksame Wanderer können auch heute noch Reste der Verteidigungsanlagen entdecken.

    Information

    Cannobio ist am einfachsten per Schiff ab Locarno erreichbar (SBB-Fahrplan: Cannobio NLM). Beim Nachschlagen des Fahrplans darf Cannobio nicht mit Canobbio (bei Lugano) verwechselt werden.

    Wanderung Nr. 1059

    Publiziert 2015 ‒ Präsentiert von Schweizer Wanderwege

    Jürg Rüttimann

    Cannobio
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    Acqua Minerale
    1:15
    1:15
    Pro Redond
    2:10
    0:55
    Monte Carza
    2:50
    0:40
    Viggiona
    3:35
    0:45
    Cármine Superiore
    4:05
    0:30
    Molineggi
    4:45
    0:40
    Cannobio
    5:35
    0:50
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    Details zu Wegoberfläche und Kategorie auf dem Höhenprofil

    Wandervorschläge

    Auf den Gipfel des Pilone Nr. 1449
    Spruga — Comologno, Paese • TI

    Auf den Gipfel des Pilone

    Meist entspringen Flüsse in der Schweiz und fliessen in die umliegenden Länder. Auf dem Grenzberg Pilone erlebt man aus der Vogelperspektive, wie der Fluss Isorno dieser Logik widerspricht. Auf dem Gipfel liegt einem das Quellgebiet des Isorno zu Füssen - auf italienischem Boden. Ausgangspunkt für die Bergtour ist Spruga. Der gestufte Weg steigt steil durch Weiden und Häuser hinauf zur Siedlung Pian Secco. Von dort zieht sich der breite Weg durch lichten Lärchenwald bis zur Alpe Pesced und dann durch die Flanke des Munzelüm auf den Passo del Bùsan. Ein gutes Weglein führt auf dem Grat zum Pilone. Hier befindet sich die Landesgrenze. Ein 1806 geschlossenes Abkommen zwischen Italien, dem Tessin und der Eidgenossenschaft hat den oberen Talabschnitt Italien zugeschlagen, die Dörfer hingegen sind bei der Schweiz geblieben. Auf dem Gipfel überblickt man gegen Süden eine nun fast menschenleere, von Bergen eingerahmte wilde Landschaft. Die meisten Alpen sind mittlerweile verfallen, der Wald hat die Weideflächen teilweise zurückerobert. Auch talabwärts gibt es Wälder so weit das Auge reicht, darin eingebettet sind die malerischen Dörfer auf der linken Talseite. Nun geht es zum Passo del Bùsan zurück und steil hinunter zu einem der schönsten Tessiner Bergseen, dem Laghetto dei Saléi. Dann wandert man über die Alpe Saléi hinunter nach Comologno. Dort stehen neben rustikalen Häusern auch stattliche Palazzi. Sie wurden von Auswanderern gebaut, die ausserhalb ihres engen Tales zu Reichtum gekommen waren.
    Von San Nazzaro zum Sass da Grüm (TI) Nr. 0932
    San Nazzaro — Dirinella • GR

    Von San Nazzaro zum Sass da Grüm (TI)

    Täglich fährt Walter Branca um 5 Uhr morgens auf den Lago Maggiore, um Felchen, Egli, Zander und - mit etwas Glück - auch Hechte aus seinen Netzen zu holen. Am Freitag liefert der Profifischer aus Vira die fangfrischen Fische an das Hotel Sass da Grüm, das 600 Meter hoch über dem See auf einem Sonnenplateau liegt. Das Bioparadies bietet einen prächtigen Ausblick und gilt als «Ort der Kraft». Die Wanderung beginnt in San Nazzaro und führt über Vairano durch die Kastanienwälder auf dem alten Säumerpfad. Die letzte Etappe ist anstrengend, weil es steil in die Höhe geht. Nach etwa einer Stunde hat man es geschafft und wird im Hotel Sass da Grüm nach allen Regeln der Gastfreundschaft verwöhnt. Das Haus verfügt über komfortable Zimmer, und es gibt einen Pool im Garten, was im Sommer unerlässlich ist, denn es kann heiss werden auf dem Sonnenplateau. Gut, dass es Schatten spendende Bäume gibt. Zudem stehen überall Liegestühle für die Gäste bereit, denn das Motto Nummer eins in diesem Paradiesgarten ist Ruhe und Erholung. Ein Highlight ist der Kräutergarten, der von Apfelminze bis Zitronenbasilikum über 70 Kräuter umfasst. Und die Kräuter werden laufend geerntet, denn das «Sass da Grüm» ist bekannt für seine geschmackvolle Bioküche, die viele vegetarische Gerichte enthält. Ein breites Angebot an Tees, Sirups und edlen Weinen rundet die Genussfreuden ab. Spannend ist, dass an jedem Wochentag ein anderes Getreide im Mittelpunkt steht: Mo = Reis, Di = Gerste, Mi = Hirse, Do = Roggen, Fr = Hafer, Sa = Mais, So = Weizen. Am Freitag gibt es fangfrischen Fisch, den der Koch Martin Winter auf besonders fettarme Art zubereitet: Er mariniert und pochiert den Fisch, der an einer Sauce mit Kernen von Sonnenblumen, Kürbis, Sesam und Mohn serviert wird. Wer nicht auf demselben Weg zum Lago Maggiore absteigen will, steigt weiter nach Monti di Vairano auf und wandert auf dem «Sentiero Monti di Piazzogna» nach Dirinella.
    Gridone Nr. 0658
    Cortaccio — Mergugno • TI

    Gridone

    Der Gridone zwischen Centovalli und Lago Maggiore ist ein Aussichtsberg der Superlative. Seine Kuppe sieht man schon auf der Anreise zwischen Bellinzona und Locarno und am einfachsten sind die Wanderungen auf der Ostseite des Berges. Hier kann man rund 800 Höhenmeter Auf‑ oder Abstieg einsparen und ab Cortaccio oder Mergugno starten. Sehr abwechslungsreich ist die Kombination beider Routen mit Übernachtung im Rifugio Al Legn. Der Aufstieg zur einmaligen Panoramahütte dauert rund zwei Stunden, wobei der Anmarsch über Cortaccio schöne Tiefblicke Richtung Italien und Canobbio bietet, während die Route ab Mergugno durch den sagenhaften «Bosco sacro» mit seinem grossen Bestand an alpinem Goldregen führt. Wer mag, kann auf der Sonnenterrasse der Hütte ausgiebig rasten, bevor der Weiterweg durch Alpenrosen zum Gridone beginnt (1 h 10). Nach der Bocchetta di Valle trennen sich die Wege; kürzer und anspruchsvoller über felsdurchsetzte Bänder durch die Nordostflanke oder einfacher über eine Rippe hinauf zu Punkt 2138 und von dort den Ziegenpfaden am Grat folgend zum Gipfelkreuz des Gridone (2188 m). Das grandiose Panorama auf die Monte‑Rosa‑Gruppe und den ganzen Alpenbogen verschlägt jedem den Atem - oder war es eventuell das letzte anspruchsvollere Wegstück über felsige Schrofen zum Gipfel (T3)?
    Literatur Nr. 0306
    Cavigliano — Seghellina • TI

    Literatur

    Der Ausgang des Tals ist verschüttet. Das Unwetter tobt, bald wird es wohlmöglich die Hänge ins Rutschen versetzten. Herr Geiser weiss um die drohende Katastrophe. Verzweifelt sucht er, das Wissen der Menschheit zu retten. Auf Zettel schreibt er, was es nicht zu vergessen gilt. Ein letzter verzweifelter Ausbruch führt ihn über den Passo della Garina, doch dann kehrt Geiser zurück. Unfassbar und zugleich verschwindend klein ist die menschliche Existenz vor der Urgewalt der Natur. Kleiner noch das individuelle Sein. Im tief eingeschnittenen, von der Welt vergessenen Onsernonetal hat Max Frisch sein Refugium gefunden. Dem Tal ein Denkmal gesetzt hat er in dem 1979 erstmals erschienenen schmalen Band «Der Mensch erscheint im Holozän» mit Herrn Geiser als Hauptfigur. Frischs Asche hat der Talwind durchs Tal getragen. Beim Dorfeingang von Berzona, an der Aussenmauer des Friedhofs, erinnert eine Gedenktafel an den grossen Schweizer Schriftsteller. Steil steigt der Wanderweg zunächst hinauf Richtung Nebi und Gerbi. Bei der Kreuzung geht es links über den sonnenexponierten Hang nach Ronconaia und hinab nach Cresmino. Auf dem alten Talweg läuft es sich bequem nach Auressio. Liegt noch kein Schnee, lockt der Weg über Mulegn zu den literarischen Fluchtspuren von Geiser. Nicht empfehlenswert ist die scharfe Kurve zwischen Auressio und Loco auf der engen Fahrstrasse. Variante: Von Auressio mit dem Postauto nach Berzona, von dort an der Gedenktafel vorbei durchs Dorf und zurück in den Hauptort Loco. Gegen 14 Uhr verabschiedet sich die winterliche Sonne aus dem Tal.

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    286T Malcantone

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    Tags

    EU Tessin Wanderung Sommer hoch

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