• In der Twannbachschlucht führt der Wanderweg über Treppen und Stege dem Wasser entlang. Moosbedeckte Felswände und Steinblöcke tragen zur mystischen Stimmung bei. Bild: Markus Ruff

    In der Twannbachschlucht führt der Wanderweg über Treppen und Stege dem Wasser entlang. Moosbedeckte Felswände und Steinblöcke tragen zur mystischen Stimmung bei. Bild: Markus Ruff.

    Les Prés-d'Orvin, Bellevue — Twann • BE

    Von Chasseral-Trabanten zum Winzerdorf

    Die Wanderung von Les Prés-d’Orvin nach Twann führt durch die Twannbachschlucht zum Tatort in Friedrich Dürrenmatts Klassiker «Der Richter und sein Henker». Darin muss Kommissär Bärlach den Mord an seinem jungen Polizeibeamten aufklären. Es geht darum, ob es das perfekte Verbrechen gibt, welches weder aufgedeckt noch geahndet wird. Der erste Teil der Wanderung hat nichts mit dem Krimi zu tun. Der Weg führt vom Start in Les Prés-d’Orvin zu Beginn auf Forststrassen, später über ausgedehnte Jurahochweiden zum Gipfel des Mont Sujet, wo man die tolle Aussicht auf die Alpen geniesst. Ab Lamboing kommt man dann an den Schauplätzen von Dürrenmatts Roman vorbei. Der Bach, der die beiden Mühlen bei Les Moulins antreibt, heisst dort noch Douanne, weiter unten in der Schlucht dann Twannbach. Die mystisch-düstere Stimmung in der Schlucht passt ausgezeichnet zur Krimigeschichte. Zu Beginn fliesst der Bach noch lieblich über moosbedeckte Felsblöcke. Bald folgen Wasserrutschen und Wasserfälle, über die das Wasser in kleine Becken stürzt, um dann wieder Fahrt aufzunehmen. Der Weg führt in spektakulären Passagen mit in den Felsen gesprengten Stegen durch die Schlucht. Beim Schluchtausgang - hier wurde Bärlachs Beamter erschossen in seinem Auto gefunden - muss ein bescheidener Wegzoll entrichtet werden, mit dem die Gemeinde die aufwendigen Unterhaltsarbeiten finanziert. In Twann kann man bei einem feinen Glas Chasselas auf das nächste Schiff warten. Wichtig: Der Schluchtwanderweg wird jährlich am 1. November gesperrt und am Osterwochenende oder Mitte April wieder geöffnet.

    Information

    Erreichbar ist Les Prés-d'Orvin mit dem Bus ab Biel. Von Twann kann man mit dem Schiff oder mit dem Zug nach Biel zurückkehren.

    Bergerie du Haut (April-November),
    032 315 11 70
    Bergerie du Bas (Mai-Oktober), 032 322 76 75
    Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker, Diogenes Verlag

    Wanderung Nr. 1269

    Präsentiert von Schweizer Wanderwege

    Markus Ruff

    Les Prés-d'Orvin, Bellevue
    0:00
    0:00
    Bergerie du Bas
    1:10
    1:10
    restaurant
    Bergerie du Haut
    1:20
    0:10
    restaurant
    accommodation
    Mont Sujet
    1:35
    0:15
    Lamboing
    2:55
    1:20
    Les Moulins
    3:10
    0:15
    restaurant
    fireplace
    Twann
    4:05
    0:55
    Details zu Wegoberfläche und Kategorie auf dem Höhenprofil

    Wandervorschläge

    Über den breiten Jurarücken Nr. 1311
    La Heutte — Tavannes • BE

    Über den breiten Jurarücken

    Die Einheimischen auf den Hügelzügen des Berner Jura nennen die Bise, die hier immer wieder heftig weht, «méchant», das heisst «böse», bei Hunden auch «bissig». Sie wissen wohl, wovon sie reden, denn wer die Jurabise noch nie erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, dass er bei heiterem Sonnenschein jemals derart frieren würde. Zuweilen wirken die Hügelzüge so, als wären sie gar von diesem kalten, scharfen Wind geschliffen worden. Das gilt auch für die Montoz-Kette, die sich vom solothurnischen Grenchen bis nach Tavannes erstreckt. Diese Wanderung quert sie an ihrem westlichen Ende und startet in La Heutte, einem Dorf unweit von Biel, das mit dem Zug gut zu erreichen ist. Der Aufstieg Richtung Métairie de la Werdtberg ist steil und - abgesehen vom Atem - still. Angesichts der Nähe zu Stadt und Dörfern kommt sich der Wanderer auf dieser Strecke angenehm einsam vor. Ein kleiner Abstecher zur Hütte des Skiclubs vervollständigt dieses Gefühl. Man fragt sich, wann es letztmals länger genügend Schnee hatte, damit Tourengänger von dieser Hütte auf 1100 Metern mit Skiern losziehen konnten. Das Gelände hat nun, kurz vor dem letzten Aufstieg zum Werdtberg, einen voralpinen Anstrich erhalten. Zwar weisen Laubbäume noch auf die niedrige Meereshöhe hin, gleichzeitig sind die Gräser kurz und würzig, und die Kuhwege gemahnen an Alpen, die weit höher gelegen sein könnten. Oben angekommen staunt man, wie breit die Krete ist und wie eben. Der Blick in die Berner Alpen ist bei klarer Sicht gewaltig. Und wenn die Bise nicht weht, darf die Einkehr im Restaurant Werdtberg durchaus auf der Terrasse stattfinden. Oft bläst die Bise auf dem Jurarücken übrigens die Wolken weg. Dann ist sie der Preis, den es für Sonnenschein zu bezahlen gilt.
    Auf Hummelsuche im Jura Nr. 0881
    Sonceboz-Sombeval — Courtelary • BE

    Auf Hummelsuche im Jura

    Die Wanderung von Sombeval nach Courtelary ist lieblich. Stoppt man hin und wieder und nimmt man sich etwas Zeit für die Hummeln am Südhang vom Vallon de St-Imier, sind die rund 500 Meter Höhendifferenz bis hinauf auf die Hoch-ebene des Montagne du Droit ein Pappenstiel. Das Bimmeln der Kuhglocken, das Pfeifen des Zugs Richtung La Chaux-de-Fonds und das Zirpen der Grillen begleiten die Wanderung akustisch. Und wer Hummeln sucht, wird natürlich bei jedem Summen in der Luft die Ohren spitzen - und erstaunt sein, wer da sonst noch unterwegs ist. Alle, die irgendwann genug von Insekten haben und sich lieber an grössere Tiere halten, werden sich auf die Stallungen der Stiftung für das Pferd bei Le Jeanbrenin freuen. Wenn es heiss ist, ruhen sich die sympathischen Vierbeiner tagsüber in ihren Boxen aus. Und dank den Plaketten an den Türen erfährt man jeweils, wie viele Jahre das Gegenüber auf dem Buckel hat. Und vielleicht sogar, worin seine Arbeit früher bestand - wie bei einem mächtigen Belgier, der einst für die Brauerei Feldschlösschen den Wagen gezogen hat und seinen Ruhestand offensichtlich geniesst. Ansonsten bietet die Wanderung alles, was man im Jura erwarten darf: eine Hochebene mit Weiden, auf denen mächtige Tannen stehen. Einen Ausblick runter ins Tal und hinüber auf den nächsten Hügelzug, den Chasseral. Und natürlich speziell viele Blumen, da die Wanderung durch zwei Trockenweiden von nationaler Bedeutung führt.
    Gratwandern Nr. 0601
    Chasseral Hôtel — Chaumont Bergstation • BE

    Gratwandern

    Vier Stunden Richtung Südwesten nimmt die Gratwanderung vom Chasseral zum Chaumont in Anspruch: vom frei stehenden Aussichtskamm mit seinem Pflanzenschutzgebiet über dem Bielersee zum bewaldeten Touristenberg über Neuenburg. Anstrengend ist die lohnende Tour vor allem im ersten Teil, wo ein schmaler, steiniger Pfad in luftiger Höhe verläuft. Weil aber wirklich exponierte Stellen fehlen, lässt sich diese Wanderung auch von Personen geniessen, die nicht schwindelfrei sind. Schon nach ungefähr einer Stunde, bei der Métairie de l’Ile, beginnt ein weniger anspruchsvoller Routenverlauf auf Flursträsschen und Waldwegen bis zur Bergstation der Chaumont‑Standseilbahn. Unterwegs fehlt es nicht an Verpflegungsmöglichkeiten. Am Anfang und am Ende steht je ein Hotel mit Restaurant; drei gemütliche Bergbeizlein mit Sitzmöglichkeiten draussen wie drinnen runden das kulinarische Angebot ab: Métairie de l’Ile, Métairie d’Aarberg, Chuffort. Bei klarem Wetter ist die Aussicht vor allem auf den ersten fünf Kilometern umfassend: Am Horizont dehnt sich die Alpenkette, davor das Mittelland mit den drei im Sonnenlicht blinkenden Seeländer Gewässern Bielersee, Neuenburgersee und Murtensee; in Gegenrichtung zieht zuerst der Mont Soleil über dem Tal von St‑Imier mit seinen Windkraftrotoren und später das Val de Ruz mit seinem Feldermosaik die Blicke auf sich. Die Anfahrt zum Chasseral geschieht am besten mit dem Bus ab St‑Imier an der SBB‑Linie Biel–La Chaux‑de‑Fonds (täglich von zweiter Hälfte Mai bis zweite Hälfte Oktober), die Rückreise vom Chaumont mit der Standseilbahn hinunter nach Neuenburg.
    Etang de la Gruère Nr. 0246
    Tramelan — Le Bémont (JU) • BE

    Etang de la Gruère

    Der Etang de la Gruère ist ein lauschiger Moorsee, eingebettet in die Weiden der Freiberge, etwa auf halber Wegstrecke zwischen Tramelan und Saignelégier. Die leichte Wanderung kann beliebig variiert werden, schon am Ausgangspunkt Tra~ melan gibt es mehrere Möglichkeiten, um auf markierten Wegen zum Etang de la Gruère zu gelangen. Abschnit­ten auf Hartbelag folgen Pfade über saftige Wiesen, ein Paradies nicht nur für Wandernde, sondern auch für Kühe und Pferde. Hinter Moulin de la Gruère versteckt sich im Wald der unter Natur­schutz stehende Etang de la Gruère. Der Moorteich ist ca. 500 Meter lang, an der schmalsten Stelle 60 Meter breit und erreicht eine Tiefe von 4,5 Metern. Charakteristisch ist seine braune Farbe, Ergebnis des Zerset~ zungsprozesses der Vegetationsreste zu Torf. Der See ist ein Ziel bei jedem Wetter, selbst wenn es regnet, dann nämlich zeigt er sich in wunderbar mystischer Stimmung. Der einstündige Seerund~ gang ist äusserst lohnenswert. Auf einem wunderschön angelegten Weg wan­dert man über weiche Waldböden, Holzstege und Brücken, immer mit Blick auf den dunklen See, der einer vielfältigen Tier-und Pflanzenwelt seltenen Lebensraum bietet. Wer am oberen Ende des Sees den Rundweg verlässt, erreicht nach etwa einem Kilometer das nordwestlich gelegene Centre Nature Les Cerlatez mit einer vielfältigen Ausstellung zum Thema Moore. Auf dem Weg zum Etang des Royes und weiter nach Le Bémont machen dann die Freiberge ihrem Namen alle Ehre. Die offene Landschaft vermittelt tat­sächlich so etwas wie Freiheit, die man nicht nur zu Fuss geniesst, sondern auch hoch zu Ross, wie die auffallend vielen Reiter, die hier unterwegs sind, zeigen.

    Passende Produkte aus unserem Shop

    232T Vallon de St-Imier

    CHF 22.50

    Tags

    Bern Jura Wanderung Sommer Gipfelwanderung Kulturwanderung mittel

    Mit Klick auf ein Tag können Sie dieses in Ihrem Account hinzufügen und erhalten auf Ihre Interessen zugeschnittenen Content vorgeschlagen. Tags können nur in einem Account gespeichert werden.