Übers Wasser des Oeschinensees wandern – nicht ganz unanstrengend

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08.03.2019 • Wanderpapa

Übers Wasser des Oeschinensees wandern – nicht ganz unanstrengend

Am Oeschinensee wandern wir über den gefrorenen See und wollen die Eisfischer besuchen – was für ein Plan! Leider liegen die Vorstellungen der Eltern und der Kinder aber diesmal etwas weiter auseinander als auch schon. Gewünscht ist chillen, nicht wandern..

Wie ein Kessel erheben sich die Berge über dem Oeschinensee, steil steigen die Felswände gegen den Himmel. Sie sind richtige Suchbilder mit ihren gefrorenen Wasserfällen, den nassen, dunklen Felspartien, die sich mit trockenen, grauen Stellen abwecheln, mit ihren verschneiten Tannen und den Schneefeldern. Ich könnte lange verweilen, die Suchbilder studieren, verspielt wie sie sind, und fasziniert gegen den Himmel schauen. Die Stille hier im hintersten Tal ist wohltuend, die Frische ebenfalls.

Doch da sind ja meine lieben Kinder. Ihnen ist all das Schöne egal. Ihnen ist langweilig, weil der breite Weg über den See flach verläuft, und das ist eben nicht spannend. Das war mir nicht klar, als ich mich entschied, mit der Familie den Ice Walk zu machen. Wandern über einen gefrorenen See, das ist doch der Hammer, dachte ich.

In Erklärungsnotstand

Und auch vor Ort finden meine Frau und ich das immer noch. Zu wissen, dass wir über eine 60 bis 140 Zentimeter dicke Eisschicht laufen, ist ungewöhnlich. Darunter ist der See ist über 50 Meter tief, wir wandern also, wo wir im Sommer höchstens mit einem Boot hinkämen. Und an einem Ort, der einfach magisch ist. Doch all das vermögen wir heute unseren Kindern nicht zu vermitteln, zu sehr sind wir damit beschäftigt:

  • die dauernden Streitereien zwischen den beiden Söhnen zu schlichten
  • die beiden jüngeren Kinder zu motivieren, weil sie sich immer wieder zu Boden legen
  • zu argumentieren, warum sie nicht auf den Schlitten sitzen dürfen, den wir mitziehen
  • zu trösten, weil wieder einmal ein Schneeball in einem Nacken eines Kindes gelandet ist
  • dem Grössten zu erklären, warum wir nicht in seinem Tempo wandern können, weil der Kleine ja wandern soll, langsamer natürlich, wobei er am liebsten ja auf dem Schlitten sitzen würde

Wir versuchen es also mit den Eisfischern. Nahe den Ufern, ganz weit hinten, hat es einige, die ihre kleinen Löcher in den gefrorenen Untergrund gebohrt haben und geduldig auf einen Fang warten. „Vielleicht treffen wir ja einen der Eisfischer und wir können ihm etwas zuschauen“, versuchen wir die Kinder abzulenken. Selber auch gespannt, ob Eisfischen spannender sein könnte als normales Fischen. Unsere Motivationstaktik gelingt nur bedingt, aber wir kommen wenigstens weiter.

Eisfischer am Horizont

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Leider sind die Eisfischer viel zu weit weg, um ihnen richtig zuschauen zu können. Und ehrlich gesagt: Wenn sie nicht gerade ein Loch bohren, machen sie ja auch nicht viel. Sie heben und senken mit ihrer Rute den sich im Eiswasser befindenden Köder (Fischmagen, nur bedingt appetitilich), damit das Wasser nicht gleich wieder zufriert. Ab und zu ziehen sie den Faden ruckartig hoch, leider meist ohne Fang. Und doch: Die Eisfischer gehören zum Oeschinensee, irgendwie faszinieren sie mich.

Aber nicht die Kinder. Also essen wir Picknick. Auch gut.

Anschliessend klettern die Kinder auf grosse Schneeklötze, mit denen wohl Familien hier Schneemänner haben bauen wollen, und stellen sich wie Denkmäler hin. Klick, wir fotografieren. Wir werfen alle gleichzeitig Schnee in die Luft. Klick! Wir springen alle gleichzeitig in die Luft und strecken alle Viere von uns. Klick! Das hebt die Stimmung. Endlich!

Also gönnen wir den Fischern ihre Ruhe. Unsere Wanderung ist sowieso bald zu Ende, und nun wartet die Schlittelabfahrt ins Tal. Das ist heute sehr viel mehr nach dem Gusto der Kinder. Sei’s drum. Auch mir gefällt die rasante Abfahrt, sodass wir noch gleich drei Abfahrten drauflegen.

 

 

 

 

Wanderpapa

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