Staffelegg — Breitmis • AG

Das Hardmännliloch an der Ramsflue AG

Einstmals arbeiteten zur Erntezeit zwei junge Schnitterinnen auf dem Kornfeld. Unvermittelt entdeckte eine von beiden eine dicke Kröte zwischen den Ähren. Sogleich wollte sie das behäbige Geschöpf mit ihrer Sichel erschlagen, da fuhr ihre Schwester dazwischen. «Siehst du nicht, dass dieses Tierchen trächtig ist?» Die andere lachte und sprach belustigt zur Kröte: «Wenn du eine Gotte für dein Kindchen brauchst, dann rufe mich beizeiten zur Taufe.» Zu Hause erzählten die Mädchen von ihrem Erlebnis. Die Mutter runzelte besorgt die Stirn. «Da hast du dein Maul wieder mal voll genommen, Kind, und weisst nicht gegen wen…» Die Reise in das Reich der Härdlütli kann wahlweise von der Staffelegg oder vom Bänkerjoch (schön eingerichtete Brätlistelle im Buchenwald) aus angetreten werden. Die Wasserflue ist leicht zu erwandern und bietet bei klarem Wetter eine überwältigende Sicht über das zentrale Mittelland zum Alpenbogen. Tiefe Klüfte im Gelände führen der Sage zufolge bis in die Unterwelt hinab, während der moderne Funkturm himmelwärts in den Äther fingert. Am verträumten Weiler Hard vorbei geleitet der Pfad zur Felsenkanzel der Ramsflue, wo früher die Zwerge gehaust haben sollen. Beim nahen Hardmännliloch können sich Mutige dem engen gewundenen Schlauf entlang in die Tiefe des Jurakalkfelsens hineinwinden (der Boden ist nass und lehmig) und den Zugang zum verborgenen Schloss der Härdlütli suchen. Unterhalb der Flue befand sich früher eine weithin bekannte Heilquelle, das Laurenzenbad. Die Schwestern des Klarissenklosters bieten hier während der Sommermonate jeweils am Samstagnachmittag Kaffee und Kuchen an. Wen es nochmals nach Weitsicht und Höhenluft gelüstet, steigt auf die Salhöhe und nimmt dort das Postauto. Anderenfalls findet sich in Breitmis unweit der vormaligen Badeanstalt eine Bushaltestelle für die Rückreise.

Information

Restaurant Staffelegg, Mi–So, 062 878 16 88
Klarissenkloster Laurenzenbad,
www.clara-schwestern.ch

Wanderung Nr. 1109

Publiziert 2015 ‒ Präsentiert von Schweizer Wanderwege

Andreas Sommer

Wanderroute

Staffelegg
0:00
0:00
Bänkerjoch
0:57
0:57
Wasserflue
1:53
0:56
fireplace
Hard
2:15
0:22
Ramsflue
2:31
0:16
Friedheim
2:54
0:23
Breitmis
3:07
0:13
Details zu Wegoberfläche und Kategorie auf dem Höhenprofil

Wandervorschläge

Zu jungen Blüten und alten Bäumen Nr. 1511
Thalheim AG, Unterdorf — Villnachern • AG

Zu jungen Blüten und alten Bäumen

Gleich nach dem ersten Aufstieg vom beschaulichen Dörfchen Thalheim steht man mitten in der Burgruine Schenkenberg. Die Überreste lassen einen erahnen, wie mächtig diese im 13. Jahrhundert erbaute Habsburger-Anlage gewesen sein muss. Auf dieser Ruine befindet sich auch die erste von vielen befestigten Feuerstellen, welche den Wanderweg bis Villnachern immer wieder säumen. Das Picknick mitzubringen und unterwegs Brätlistecken zu sammeln, empfiehlt sich unbedingt. In den hellgrünen Frühlingswäldern zwitschern die Vögel, bunte Blüten spriessen und der Wanderweg ist breit und meist flach. Bei der Waldlichtung nach Aelmhard trifft man auf eine so genannte Baumkapelle, eine Besonderheit des Juraparks Aargau, die in Zusammenarbeit mit den einheimischen Landwirten gepflegt werden. Sie bestehen aus einer von vier Bäumen umgebenen Sitzbank. Diese Bäume sind jetzt noch jung, aber dereinst wird sich im Schatten ihrer Kronen wunderbar entspannen können. Auf dem Linnerberg wird einem der Blick auf die Zentralschweizer Alpen eröffnet. Man wähnt man sich an einem Ort vor unserer Zeit und es würde einem nicht im Traum würde, dass viel weiter unten der Verkehr der A3 durch den Berg donnert. Weiter geht es zu einem der ältesten und imposantesten Bäume der Schweiz: der Linner Linde. Über 800 Jahre hat sie auf dem Buckel. Der Legende nach wurde sie auf dem Grab der vielen Pestopfer von Linn gepflanzt, welche auf dem Friedhof keinen Platz mehr hatten. Angeblich verschonte der Schwarze Tod das Dorf fortan. Die Atmosphäre ist jetzt friedlich und ruhig bei diesem Baum, der schon so viel erlebt hat und immer noch steht.
Von einem Schloss zum anderen Nr. 1024
Wildegg — Brugg • AG

Von einem Schloss zum anderen

Der Kanton Aargau ist berühmt für seine Schlösser. Auf einer angenehmen, sonnengeschützten Wanderung von Wildegg nach Brugg kann man mindestens zwei dieser Schlösser entdecken. Und wohlverstanden, sind diese recht herrschaftliche Gebäude. Kaum ist der Bahnhof verlassen, wird man auf einem kurzen, steilen Anstieg direkt ins Thema hineingeführt. Oben thront das Schloss Wildegg auf seinem Hügel, mit einem Fuss in einem Weinberg, dem anderen zwischen Obstbäumen. Es wurde im 13. Jahrhundert errichtet, beherbergt ein Museum und einen schönen französischen Garten. Der Weg führt nun in den Wald hinein, und man verlässt diesen erst kurz vor Brugg wieder - eine ideale lange Waldroute für warme Tage. Der Wald bietet Schatten, und ab und zu einen Blick auf die Aare, die unterhalb des Hügels fliesst. Der Weg geht zunächst bergauf, verläuft dann aber angenehm dem Hang entlang. Hier und da können sich die Wanderer an den Stationen des «Geowegs» - einem Lehrpfad, der anlässlich des Jubiläums 700 Jahre Eidgenossenschaft angelegt wurde - über die geologischen und ökologischen Eigenschaften der Region informieren. Nachdem man die Anhöhen von Schinznach-Bad, das für seine Thermalbäder bekannt ist, hinter sich gelassen hat, beginnt ein neuer Anstieg durch Wald und Felder zum Schloss Habsburg. Dieses Bauwerk ist mit seinen hohen Mauern ebenso beeindruckend wie das vorherige. Natürlich war es damals im Besitz der Habsburger, und es handelte sich um einen der bedeutendsten königlichen Wohnsitze Europas. Der Bau geht ins Jahr 1020 zurück. Auch hier kann man in einem historischen Museum seinen Wissensdurst stillen. Für das leibliche Wohl wird im Restaurant und auf der schönen, schattigen Terrasse gesorgt. Eine Rast lohnt sich an dieser Stelle, schliesslich geht es noch weiter bis Brugg. Der Waldweg, der dorthin führt, ist breit, etwas eintönig und lädt wohl deshalb zu einem schnelleren Tempo ein. Dieser letzte Wegabschnitt, der am Schluss zwischen den Häusern von Brugg verläuft, lässt sich mit dem Postauto abkürzen oder ganz auslassen.
Über die Wasserflue nach Aarau Nr. 0651
Salhöhe — Aarau • SO

Über die Wasserflue nach Aarau

Bei der Bushaltestelle «Salhöhe» steht wie gerufen für den Aufbruchskaffee das Passrestaurant Waldgasthaus Chalet Saalhöhe. Geistig wach wandert man anschliessend am nahen Bunker vorbei in Richtung Wasserflue. Zuerst den Waldrand entlang, dann über den bewaldeten Rücken, der sich mehr und mehr zu einem Grat verengt, strebt der Wanderweg dem Gipfel entgegen. Die Wasserflue ist eine herrliche Aussichtskanzel am Rand der Felsen und gut mit Geländern gesichert. Bei klarem Wetter steht der Sicht gegen Norden zum Schwarzwald und gegen Süden zum Alpenbogen nichts im Weg. Die Jurakette mit der Wasserflue ist eine Wetterscheide zwischen Mittelland und Fricktal. Dank der Webcam auf der Wasserfluh, die Bilder von allen Himmelsrichtungen zeigt, lässt sich schon zu Hause am Computerbildschirm abklären, wo die Sicht ungetrübt ist und auf welcher Route sich ein Ausflug lohnt. Für den Weiterweg können Wandernde sich den Wegweisern anvertrauen, die in Richtung Aarau zeigen. Man läuft dabei zuerst im Wald und am Rand des grössten Waldreservates des Kantons Aargau. Im Wald scheint es auch dem Bärlauch wohl zu sein. Auf der ganzen Wanderung führt der Weg immer wieder durch ausgedehnte, grüne Teppiche von Bärlauch. So hängt auch ein knoblauchartiger Duft zwischen den Bäumen. Wenig oberhalb von Aarau steht der «Alpenzeiger», eine originell gestaltete Panoramatafel bei einem Picknickplatz. Hier braucht es wiederum ein bisschen Wetterglück, damit die Aussicht wirklich bis zu den Alpen hinreicht, aber auch die Sicht auf Aarau ist interessant. Bald darauf schlendert man durch die attraktive Stadt mit manchen sehenswerten Ecken und einladenden Restaurants.
Mit dem Postauto Nr. 0290
Staffelegg — Frick • AG

Mit dem Postauto

Kennen Sie die Staffelegg? Den Pass oberhalb von Aarau? Nein? Dann setzen Sie sich in Aarau ins Postauto. Postautos sind eine tolle Erfindung. Sie fahren fast überall hin. Sie sind schön gelb und zuverlässig. In wenigen Minuten windet sich der Bus den Hang hoch, schon steigen Wanderer/innen auf der Passhöhe aus, und das Postauto braust weiter nach Frick. Jetzt ist eine Akklimatisation nötig im Restaurant Staffelegg, bevor es zu Fuss weitergeht: Auch diese Route führt nach Frick, doch nicht auf der asphaltierten Strasse, nein, Wanderer/innen werden fernab vom Verkehr in einer lieblichen Landschaft lustwandeln, an Kirsch‑ und Apfelbäumen vorbei, durch Wälder und Wiesen. Kaum auf dem Wanderweg, wähnt man sich in einer anderen Welt. Aus einer Hecke blinzelt eine Katze. Eine gescheite Kuh findet allein den Weg in den Stall. Ein kurzer Aufstieg führt an den Herzberg. Dort besteht zum ersten Mal die Qual der Wahl. Weiterwandern oder dem NaturBuurKultur‑Weg folgen? Wer auf dem Weg bleibt, gelangt durch einen verwunschenen Buchenwald zum Bänkerjoch, dem Nachbarpass der Staffelegg. Auch hier könnte einen einiges vom Weg abbringen: die aussichtsreiche Wasserflue zum Beispiel oder ganz einfach die andere Postautolinie, die Interessierte direkt nach Frick ins Dinosauriermuseum bringen würde. So geht es weiter, kleine Gipfel locken, beim Junkholz der Eisenpfad, bei Gipf‑Oberfrick der Sinnespfad. Bleibet man aber beim Routenvorschlag, dann wandert man beschaulich auf einem angenehmen Weg, der die Höhe hält und es erlaubt, nicht nur den Blick, sondern auch die Gedanken schweifen zu lassen. In Frick antwortet der Postautochauffeur auf die Frage, ob es schöner sei, via Staffelegg oder via Bänkerjoch zurück nach Aarau zu fahren: «Jede Schofför seit, sini Route sig di schönschti!»

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