Himmelwärts im Val d'Anniviers

Ausgabe 4/2021

Inhaltsübersicht

  • Naturgewalt unter Überwachung
  • Zwei Berghütten, drei Generationen
  • Die alte Bisse und das neue Fondue
  • Ein Dorf in den Sternen
  • Gipfelgespräch: Daniel de Roulet
  • Eine Korporation älter als die Schweiz
  • Was Frauen passt – und was noch nicht

Im Val d’Anniviers treffen mächtige Naturkräfte auf die Weite des Himmels: Beim Lac du Toûno VS sind die Wandernden den Sternen ganz nah, an der Abbruchkante des Illgrabens spüren sie die Macht der Erde. Entlang der Bisse de St-Jean erfahren sie, wie Wasser den Menschen in den Bergen zu Leben verhilft. Zum Beispiel in der Cabane du Petit Mountet.

Naturgewalt unter Überwachung

Der Illgraben über dem Südufer der Rhone, auf der Höhe des Pfynwaldes, ist ein beeindruckendes Stück Natur – und ständig in Bewegung. Davon zeugen die Murgänge, die hier mehrmals jährlich niedergehen. Eine Wanderung zum Kraterrand.

Der sich beidseits der Grenze zwischen den Walliser Gemeinden Leukerbad und Anniviers erstreckende Illgraben zieht den Betrachter sofort in seinen Bann. Einen guten Blick auf die gigantische, vom Illbach tief in den Fels geschnittene und weder von oben noch von unten her frei zugängliche Schlucht hat man vom Pfad ab Chandolin, der ein kurzes Stück dem Kraterrand entlangführt. Nur an wenigen anderen Orten lässt sich, wenn auch nicht von blossem Auge, eine in so hohem Tempo ablaufende natürliche Erosion beobachten, erklärt Pierre Huguenin, Leiter der Aussenstelle der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Sitten: «Die Verschiebung beträgt etwa 40 Zentimeter pro Jahr.» Für den Wanderer ist der einzige Hinweis darauf, dass hier alles permanent in Bewegung ist, das hie und da zu vernehmende Geräusch fallender Steine. Ansonsten herrscht absolute Stille, was es leicht macht, sich mit allen Sinnen auf die imposante Szenerie einzulassen – mit der gebotenen Vorsicht, geht es an den Felswänden des Grabens doch über 500 Meter senkrecht in die Tiefe.

Eigentlich ist der Illbach ein friedliches Wässerchen. Mit jedem Gewitter jedoch trägt er Tonnen von Steinen, Sand und Geröll ins Tal.

Mit der Beschaulichkeit kann es aber auch rasch vorbei sein, dann nämlich, wenn ein Gewitter ausbricht und Regenfälle den Illbach zu einem tosenden, braun gefärbten Ungeheuer anschwellen lassen. In der Folge kommt es, in der Regel zwischen April und Oktober, immer wieder zu Murgängen – einem Phänomen, für das der Illgraben seit Jahrhunderten bekannt ist. Ihre Anzahl ist im Zuge des Klimawandels gestiegen, von durchschnittlich drei bis fünf pro Saison auf 13 im vergangenen Jahr. Spektakuläre Aufnahmen solcher Geröll- und Schlammlawinen sind im Internet zuhauf zu finden. Doch wie entsteht ein Murgang? Huguenin kennt das Rezept: «Es braucht drei Zutaten: Wasser, Sedimente, die sich mit dem Wasser zu einer breiartigen Mischung verbinden, und grosse Felsbrocken.» Von allen drei hat es im Illgraben mehr als genug.

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Zwei Berghütten, drei Generationen

Seit 2018 führt Sarah Beney die Cabane du Petit Mountet, ein gerade für Familien bestens geeignetes Ausflugsziel. Das Berghüttenleben kennt die ehemalige Krankenpflegerin von Kindesbeinen an, waren doch sowohl ihre Eltern als auch ihre Grosseltern lange als Hüttenwarte tätig.

Die alte Bisse und das neue Fondue

Eine von Walliser Metzgern ausgetüftelte Variante des Fondue chinoise entzückt die Geschmacksknospen von Fleischliebhabern. Anregen lässt sich der Appetit durch eine Suonenwanderung mit Start und Ziel in Grimentz.

Ein Dorf in den Sternen

Planetenweg, Observatorium François-Xavier Bagnoud, Planetarium: St-Luc ist das Zentrum der Astronomie für jedermann. Mehrere Astrophysiker mit engem Bezug zur Region unterstützen dieses etwas spezielle touristische Angebot, unter ihnen der Nobelpreisträger Michel Mayor.

Gipfelgespräch: Daniel de Roulet

In «La Suisse de travers» vereint Daniel de Roulet seine grossen Leidenschaften: das Schreiben und das Wandern. Im Gipfelgespräch auf dem Guggershorn, dem eines der Kapitel des Buchs gewidmet ist, erzählt der Genfer Schriftsteller, was ihn zum Wandern brachte und weshalb er einst Axel Springers Chalet anzündete.

Eine Korporation älter als die Schweiz

Den 20 000 Oberällmigerinnen und Oberällmigern gehört ein Viertel des Kantons Schwyz: Alpweiden, Bergwälder, Landwirtschaftsland, Steine, Felsen und Geröll, darunter auch viele Wanderwege. Ihren Grundbesitz bewirtschaften sie seit über 900 Jahren und fühlen sich dabei der Tradition, aber auch dem Fortschritt verpflichtet.

Was Frauen passt – und was noch nicht

Die Nachfrage nach Wanderangeboten von Frauen für Frauen nimmt sprunghaft zu. Warum?, fragt sich WANDERN.CH-Autorin Elsbeth Flüeler. Wandern Frauen anders? Besser? Sind Frauenwanderungen ganz einfach schöner?