Zeigt her eure Schuhe!

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Zeigt her eure Schuhe!

Wanderschuhe, die nicht passen, können der Familie bald die Wanderung vermiesen. Es lohnt sich also für Eltern, sich Zeit zu nehmen für den Schuhkauf. Immer wieder, denn die Füsse der Kleinkinder wachsen rasch.

Das Feedback der Kids

Für Kinder ist die Wahl von neuen Wanderschuhen ziemlich einfach: Gefällt die Farbe, gefällt der Schuh. Und dann wird es in den meisten Fällen schwierig für Mama und Papa, da Kinder meist sehr genau wissen, was sie wollen und was nicht. Ein Beispiel gefällig? Der Sohn eines Testers steht auf Grün, wortwörtlich. Ein Glück, haben wir einen grünen Schuh im Test. Der Dreijährige wandert also die zwei Tage vom Rinderberg zum Hornberg und bis nach Zweisimmen im Berner Oberland ohne grössere Probleme. Wie sollte es anders sein, mit grünen Schuhen? Für den Papa gestaltet sich die Rückmeldung aber anspruchsvoll: Der Junge wandert unauffällig und hat keine Blasen an den Füssen. Das ist mal schon gut. Doch wie kommt er zu genaueren Rückmeldungen?

Verbreitet: zu kleine Schuhe

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Tragen Kinder zu kleine Schuhe – was laut Untersuchungen viel zu häufig der Fall ist –, leidet der Fuss. Auf Dauer kann er sich verformen, oder es entwickeln sich Fehlstellungen, ohne dass dies dem Kleinkind Schmerzen bereitet. Der Fuss ist weich und biegsam, sein Nervensystem noch nicht vollständig ausgebildet. Kinder ziehen zudem ihre Zehen einfach ein, wenn der Schuh drückt. Das kann zu Beschwerden am Fuss führen. Oder am ganzen Körper. Knie-, Hüft- und Rückenschmerzen sind die Folge. «Zehn Prozent der Kleinkinder haben heute bereits chronische Rückenschmerzen. Bei den 15-Jährigen sind es schon 50 Prozent», sagt Micha Bahr, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Ingolstadt. Der Mediziner hat sich intensiv mit Wanderschuhen beschäftigt, weil er als Vater dreier Töchter nicht zufrieden war mit dem Schuhangebot in den Läden. Zu starr, zu schwer, zu steife Sohlen, lautete sein Fazit.

Für Bahr, der Lowa bei der Entwicklung von Kinderschuhen unterstützt, ist das Abrollverhalten des Kinderfusses zentral. Die Sohle muss also in der Querachse flexibel sein, darf längs aber nicht allzu fest verdreht werden können, um das Umknicken des Fusses zu verhindern. Der Knöchel soll guten Halt haben, Bahr ist kein Freund von «diesem Halbschuhtick». «Wenn die Bänder nicht wirklich trainiert sind, ist ein hoher Schuh sinnvoll», sagt er. Die Gelenke der Kinder sind viel weicher als jene der Erwachsenen, bei tiefen Schuhen ist die Gefahr einer Bänderüberdehnung oder eines -risses zu hoch. «Die meisten Unfälle in den Bergen sind Umknicktraumen.» Nicht zuletzt klagen Kinder auch weniger über Steinchen im Schuh mit hohem Schaft.

Zum Beispiel zum wichtigsten Kriterium: Die Schuhe dürfen nicht zu klein sein. Eltern sollten regelmässig kontrollieren, ob die Schuhe noch passen. Denn Kinderfüsse wachsen ziemlich schnell: Sie werden pro Halbjahr etwa fünf Millimeter länger und zwei bis vier Millimeter breiter. Schuhwechsel sind deshalb in den ersten Lebensjahren keine Seltenheit. Und das geht ins Geld. Aber wer sagt, dass Wanderschuhe immer fabrikneu sein müssen? Gerade weil sie in diesem Alter nur so kurz getragen werden, sind Schuhe in kleinen Grössen aus der Börse oder vom Nachbarskind meist nicht stark abgenutzt. Eine Option ist auch, die Schuhe für das jüngere Geschwister aufzubewahren: Eine neutrale Farbwahl ist dabei ein Muss. Nicht zuletzt ist es auch eine Frage der Nachhaltigkeit, dass Kinderschuhe mehrere Besitzer nacheinander haben.

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Geübte Muskulatur wichtig

Christoph Schmitter von Meindl pflichtet Bahr bei. «Man muss die Festigkeit des Schuhs dem Kind anpassen», sagt er. Je älter und kräftiger das Kind ist, desto mehr Masse bringt es auf die Waage und desto grösser ist die Gefahr eines Misstritts. Der Schuh muss also für ältere Kinder fester sein. Auch auf den Einsatz kommt es an: «Kinder wandern am liebsten fünf Meter oberhalb des Weges», weiss der Vater zweier Kinder aus eigener Erfahrung. Das geht am besten in Schuhen mit gutem Halt.

Um gesunde Knöchel zu behalten, sollten Kinder im Alltag möglichst viel barfuss gehen, hüpfen, springen, rennen. Denn eine starke Muskulatur schützt auch vor Verletzungen. Einlegesohlen sind nicht nötig – was bei Orthopäden allerdings umstritten ist. In manchen Schuhen sind jedoch bereits ausgefeilte Sohlen eingelegt, die vor einem Einknicken nach innen schützen sollen.

Schuhe im Laden kaufen

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So weit die Theorie. Nun zum Schuhkauf, der am besten im Fachgeschäft passiert. Denn leider gibt es keine international normierten Schuhgrössen: Dieselbe Nummer kann je nach Fabrikant unterschiedlich gross sein. Es gilt also die Daumenregel: Man nimmt die Innensohle aus dem Schuh, das Kind steht mit der Ferse hinten bündig darauf. Die Sohle soll vorne etwa daumenbreit grösser sein als der Fuss, dann haben die Zehen genug Platz. Viele Schuhe haben heute auf der Innensohle Markierungen, mit denen die passende Grösse auf einen Blick sichtbar wird. Alternativ kann das Kind auf ein Papier stehen, dann zeichnet man den Fussabdruck mit Bleistift aufs Papier. Mit dieser Schablone vergleicht man die Sohlen. Ein Schuhkauf sollte am Nachmittag geschehen: Die Füsse sind dann bis zu vier Prozent grösser als am Morgen. Zu weite Schuhe erkennt man daran, dass das Kind nach vorne rutscht.

Dann zur Sohle: Der Schuh soll wie erwähnt in der Querachse flexibel sein. Die Längsachse testet man, indem man den Schuh auszuwringen versucht. Dies sollte nur leicht möglich sein. Die Sohle muss zudem über genug Profil verfügen, damit das Kind Halt hat auf und neben dem Weg. Ist die Sohle zu weich, spüren die Kinder jeden Stein, ist sie zu hart, rutschen sie im Gelände aus.

Wie die Schuhe binden?

Ein Thema ist auch das Schnürsystem. Am meisten Halt bietet der Schnürsenkel, im Idealfall kann man damit den Vorderschuh und den Schaft unterschiedlich eng binden. Es lohnt sich, auf der Wanderung immer wieder zu schauen, wie der Schuh gebunden ist, und ihn gegebenenfalls nachzuziehen.

Schnürsysteme sind vor allem im Umgang praktisch, für die Kinder wie auch für die Eltern. Bahr haben sie bisher nicht überzeugt: «Eine Restflexibilität bleibt. Und der Kunststoff wird irgendwann brüchig.» Unser Testkind und seine Mutter haben allerdings gute Erfahrungen gemacht mit einem Drehverschluss, der eine «millimetergenaue Anpassung der Schnürung» erlaubt.

Ein Wort noch zu den Socken: Wie auch bei Erwachsenen empfehlen sich keine Baumwoll- oder gar selbst gestrickte Socken, sondern solche aus Kunstfasern oder Merinowolle. Die Socke soll über den Schaft hinausschauen, damit die Feuchtigkeit aus dem Schuh entweichen kann. Und sie soll nicht zu gross sein, da es sonst Rümpfe und damit Blasen gibt.

Und ganz zum Schluss: Wasserdicht sollen Wanderschuhe sein. Mit nassen Füssen gibt es Blasen. Und welches Kind will schon einen Bogen um die Pfütze machen müssen?

Wanderpapa

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Planung & Vorbereitung Kleidung Ausrüstung Wandern mit Kindern

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