Wandern im Winter ist mehr als Winterwandern
An den Südhängen zwischen Küblis, Pany und St. Antönien waren die Wanderwege bis auf fast 2000 Meter hinauf trocken und bestens begehbar. Nur ein paar weisse Flecken in schattigen Ecken waren von den November-Schneefällen übrig geblieben. Und ein paar Bänder aus Kunstschnee versuchten, sich gegen die intensive Wintersonne zu behaupten.
So schlimm finde ich das gar nicht. Regionen wie das Prättigau haben viel mehr zu bieten, als ein paar Skilifte. «Sonnensicher» statt «schneesicher» könnte der neue Slogan heissen. Während das Mittelland im Winter oft in der Nebelsuppe versinkt, profitieren nahe gelegene Destinationen in den Voralpen von vielen wunderbaren Sonnentagen. Die Infrastruktur für Aktivitäten in der neuen Winter-Realität ist ebenfalls bereits vorhanden: über 65000 Kilometer ausgeschilderte Wanderwege in allen Höhenlagen und Schwierigkeitsgraden. Winterwandern auf den pink markierten und oft nur im Winter präparierten und begehbaren Wegen mag zwar schön sein, doch Wandern im Winter kann viel mehr sein als das. Wenn der Schnee ausbleibt, gibt es unzählige zusätzliche Wanderrouten, die erfrischenden Genuss versprechen.
Zugegeben: Die Blumenwiesen fehlen, das Gras ist eher braun als grün und der Tag neigt sich schon nach dem Zvieri dem Ende zu. Aber: Die tiefe Sonne schafft eine ganz besondere Atmosphäre, die schneebedeckten Berge im Hintergrund machen aus jeder Landschaft ein Postkartensujet, die Luft ist klarer und die Ruhe im Alpgebiet tut der Seele gut. Zudem hat es keine Kühe auf den Weiden, keine Zäune versperren den Weg, es drohen keine Gewitter und oft ist man auf den Wanderwegen ganz alleine unterwegs. Wandern im Winter ist definitiv anders als in den warmen Jahreszeiten. Reizvoll ist es aber auf jeden Fall. Mit den schneearmen Wintern wird Wandern immer mehr zur Ganzjahressportart.
Das Netz der Schweizer Wanderwege ist grundsätzlich auf die schnee- und eisfreie Zeit ausgelegt. Teilweise werden im Winter Wegweiser oder Wegsicherungen demontiert. Zudem muss immer mit vereisten Stellen gerechnet werden, auch wenn weit und breit kein Schnee liegt. Das heisst aber nicht, dass viele Wege nicht trotzdem begehbar sind. Eigenverantwortung gilt sowieso immer auf den Wanderwegen. Im Winter sollte man daher eher leichtere und kürzere Wanderungen planen. Um vereiste Wegabschnitte und gefährliche Situationen zu vermeiden, gilt es, sich vorgängig gut zu informieren. Die Tourismusdestinationen können die Auswahl erleichtern, indem sie besonders geeignete Routen vorschlagen oder exponierte Stellen zum Beispiel mit Stegen oder Holzschnitzeln entschärfen. Der Aufwand lohnt sich, denn die weisse Pracht macht sich definitiv rar und auch ein Gast, der kein Skiticket kauft, bringt Wertschöpfung in die Region. Diversifizierung heisst darum das Zauberwort für die Wintersportorte. Dabei sollten Wandern im Winter und Winterwandern eine wichtige Rolle spielen.
Übrigens: Bisher waren nur wenige der pink markierten Winterwanderwege in den einschlägigen Karten-Apps eingezeichnet. Wir sind nun dran, diese flächendeckend für die ganze Schweiz zu erfassen. Die Kantone Graubünden, Schwyz, Jura und das Fürstentum Liechtenstein sind bereits so weit. Bis zur nächsten Wintersaison sollten auch die anderen Regionen erfasst sein. Dann lassen sich Winterwanderwege noch einfacher mit den übrigen Wanderwegen zu prachtvollen Wintertouren kombinieren.
Wandern im Prättigau
Nr. 1712
Von St. Antönien nach Partnun
Nr. 1692
Walserspuren im Prättigau
Nr. 1477
Unterwegs am Furner Berg im Prättigau
Nr. 1169
Höhenwanderung im Prättigau
Nr. 0803
Feines aus dem Prättigau
Nr. 0622
Stelserberg
Nr. 2124
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