Anruf bei Pietro Cattaneo, Experte für Signalisation der Schweizer Wanderwege:
«Das wundert viele, denn fast überall sonst auf der Welt sind sie weiss. Die gelbe Farbe ist den Schweizer Wanderwegen und der Stadt Basel zu verdanken. Aber von vorne. Man muss sich das so vorstellen: Über Jahrhunderte hinweg konnten Menschen die Verkehrswege problemlos überqueren, denn es gab keine schnellen Gefährte. Erst als in den 1920er- und 1930er-Jahren der anfangs grosse Widerstand gegen das Auto verschwand, begann sich das zu ändern, und die Sicherheit des Fussvolkes war plötzlich bedroht. Schon bald tauchten erste Signalisationen auf, die bezwecken sollten, dass die Strassen nur noch an bestimmten Stellen überquert wurden. Im Schweizerischen Bundesarchiv finden sich noch Fotos davon – es wurden am Strassenrand beispielsweise runde Schilder mit einem Fussgänger-Piktogramm aufgestellt. Von Einheitlichkeit war aber weit und breit keine Spur.
1936 empfahl der Bundesrat, die Strassenübergänge gelb zu markieren. Auf die Idee gebracht hatten ihn die Schweizer Wanderwege – damals Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege genannt –, die seit 1934 Gelb für ihre Signalisation nutzten. Aber trotz der Empfehlung des Bundesrates herrschte noch für einige Jahre wilder Westen, was die Signalisation anging. Doch dann kamen die Basler: 1948 waren sie die Ersten, die einen gelben Zebrastreifen einführten. Ein voller Erfolg – fand zumindest die «Automobil Revue»: «Es erweist sich, dass die weithin sichtbare und auffällige Bemalung die Fussgänger direkt anzieht und auf den Streifen hinlenkt.» (Nr. 52, 8. Dezember 1948)
Seit Anfang der 1960er-Jahre ist es im Bundesgesetz verankert, dass Fussgänger auf dem Zebrastreifen Vortritt haben. 1963 folgte die erste Verordnung über die Strassensignalisation. Dort stand es zum ersten Mal schwarz auf weiss: Fussgängerstreifen müssen gelb sein. Seither hat sich daran nichts mehr geändert.»