Powerpress-220556
Wanderreportagen

Essbare Landschaften

Auf einen Blick: Schweibenalp BE
29.05.2026
Anna Murphy aus Irland, Verantwortliche der Kräuterei, weiss genau, zu welcher Tageszeit die Blüten gepflückt werden müssen, um ihre besten Wirkstoffe zu erhalten.

Es duftet, summt und blüht um die Wette. Früchte und Blüten, die man auch naschen darf, begleiten durch die Jahreszeiten: Der Permakultur-Erlebnispfad lädt ein, in das Naturparadies der Schweibenalp einzutauchen.

Von der Bushaltestelle Bramisegg gerade einmal eine Viertelstunde entfernt, fühlt man sich hier in einem geborgenen Kosmos, in dem es alles hat, was es für ein gutes Leben braucht. Auf der Schweibenalp wird im Einklang mit der Natur gelebt und produziert. Zur Selbstversorgung der Hausküche – ein Mittagessen lohnt sich – und zum Verkauf im hauseigenen Shop, zum Beispiel Kräuteröle und -salben, Heiltees und Honig, Saatgut und Setzlinge. «Dank der Höhensonne produzieren die Kräuter mehr ätherische Öle, was sie wirkungsvoller macht», erklärt Anna Murphy, Verantwortliche der Kräuterei, wo die Dörrapparate für die Trocknung der Pflanzen stehen. Einmal im Monat werden Führungen angeboten, bei denen man viel Hintergrundwissen erfährt. Beim Bummel durch den Garten zeigt sich die Wichtigkeit der Biodiversität, der Schaffung verschiedener Lebensräume, damit alles bestens gedeiht. Holz-, Sand- und Steinhaufen sowie Trockenmauern dienen als Rückzugsnischen für Nützlinge wie Igel, Eidechsen, Käfer. Hecken wirken als Nistplatz für Vögel, Feuchtbiotope sind für Libellen und Amphibien zwischen Kräuterterrassen, Wildbienenhotel, Staudengärtnerei, Gemüsegarten, Obsthainen und Pilzwald. Das Herz des Ganzen bildet der Kompostplatz, wo das, was wir als Abfall bezeichnen, zurück in den Kreislauf geht, um wieder Nährstoffe zu geben.

alpine-permakultur.ch

Die Giessbach-Domäne

In 14 Kaskaden braust der Giessbach von der Schweibenalp dem Brienzersee entgegen – der Wanderweg begleitet das Naturschauspiel hautnah. Fast wäre dieses Kleinod einer Autobrücke und einem Jumbo-Chalet zum Opfer gefallen, hätte der Journalist und Naturschützer Franz Weber 1982 nicht die beispiellose Spendenaktion «Giessbach dem Schweizer Volk» lanciert. So konnte ein Stück unverfälschte Heimat erhalten bleiben.

Powerpress-220910

Giessbach-Wasserfall, Blick vom Grandhotel Giessbach.


Urwarld zum Innehalten

Der Giessbachwald, seit 1950 als Naturdenkmal unter Schutz gestellt, hat etwas Magisches. Da wirtschaftliche Eingriffe fehlen, konnte sich ein gesundes Ökosystem erhalten – robust und widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge. Gerade die alten Bäume und das Totholz sind nicht nur Lebensgrundlage unzähliger Pflanzen und Tiere, sie speichern auch ein Vielfaches mehr an Kohlenstoff und Wasser als junge Bäume, weshalb sie so wichtig für unser Klima sind.

Cover_d
DAS WANDERN 3/2026

Aktuelle Ausgabe

Powerpress-221001

Giessbach-Domäne.


Die gute alte Zeit

Nicht nur das Grandhotel Giessbach lässt die Zeit der Belle Époque wieder aufleben. Auch die älteste Standseilbahn der Welt wird hier noch betrieben. Sie verkehrt zwischen dem Märchenschloss und dem See, wo ein traumhafter Uferweg nach Iseltwald führt.

Powerpress-220850

Giessbachbahn.


Zur Wanderung

Von der Schweibenalp dem Wasser folgend
Brienzerberg, Bramisegg — Iseltwald, Dorfplatz • BE

Von der Schweibenalp dem Wasser folgend

Eine Alp, die schon die Druiden als Kraftplatz ehrten; ein magischer Wasserfall, dem man nicht nur hautnah folgt, hinter dessen Vorhang man auch durchschlüpfen kann; ein Hotel, das wie ein Märchenschloss aussieht; ein verwunschener Uferweg, der durch einen der letzten Urwälder der Schweiz führt; intime Badeplätze am türkis leuchtenden Brienzersee – diese Wanderung strotzt vor Höhepunkten, konfrontiert zwischendurch aber auch mit Übertourismus, zum Glück aber nur an ein paar Punkten wie rund um das Grandhotel Giessbach, bei der Standseilbahn und an der Schifflände von Iseltwald. Dazwischen ist man oft einsam auf den Pfaden unterwegs. Von der Postautohaltestelle Bramisegg erreicht man über ein in den Fels gehauenes Zufahrtssträsschen südwestlich durch die Giessbachschlucht in nur einer Viertelstunde die Schweibenalp, wo der Permakultur-Erlebnispfad in einen nachahmenswerten Kosmos entführt. Faszinierend auch das Wildbienenbiotop, das in den letzten zwei Jahren entstand. Viele Wild- und Nutzpflanzen sind darauf angewiesen, dass sie von bestäubenden Insekten besucht werden, um überhaupt Samen und Früchte ausbilden zu können. Eine wichtige Rolle unter den Bestäubern nehmen die Honig- und Wildbienen ein. Kaum vorstellbar, dass es an die 700 verschiedene Arten allein in der Schweiz geben soll – solange man ihnen nicht die Lebensgrundlage nimmt. Einmal im Monat finden auf der Schweibenalp Führungen statt, bei denen man viel Hintergrundwissen erfährt. Beim Haupthaus gibt ein gelber Wegweiser die Richtung vor. Ein steiler Pfad windet sich entlang der Wasserfallstufen durch die Giessbachschlucht zum Grandhotel hinunter, wo man entweder mit der historischen Standseilbahn oder über den Wanderweg den Brienzersee erreicht. Weiter geht es auf dem Uferpfad nach Iseltwald.

zum Wandervorschlag

Das könnte Ihnen auch gefallen

    Tags

    Berner Oberland Magazin DAS WANDERN

    Mit Klick auf ein Tag können Sie dieses in Ihrem Account hinzufügen und erhalten auf Ihre Interessen zugeschnittenen Content vorgeschlagen. Tags können nur in einem Account gespeichert werden.

    Artikel wurde dem Warenkorb hinzugefügt.