1929 schrieb Annemarie Schwarzenbach als 21-Jährige von ihren Gefühlen für eine andere Frau, in die sie sich während der Ferien in einem Hotel in St. Moritz verliebt hatte. Ihr literarisches Coming-out, mit dem sich Schwarzenbach über gesellschaftliche Normen hinwegsetzte, wurde erst 2008, lange nach ihrem Tod, unter dem Titel «Eine Frau zu sehen» publiziert.
Nach ausgedehnten Reisen liess sich Schwarzenbach im Engadin in Sils Baselgia nieder, wo sie mit 34 Jahren an den Folgen eines Fahrradunfalls starb.
Vom Bahnhof Pontresina führt die Wanderung durch den Stazerwald zum beinahe unwirklich schönen Lej da Staz, in dessen ruhigem Wasser sich die farbigen Lärchen und umliegenden Berggipfel spiegeln. Unterwegs machen immer wieder Tannen- und Haubenmeisen auf sich aufmerksam, die mit Haselnüssen gefüttert werden möchten. Schon seit Vogelgenerationen sind sie es gewöhnt, in diesem Gebiet von Menschen gefüttert zu werden. An herbstlich verfärbten Moorlandschaften und am Rand von St. Moritz entlang geht es auf Wegen weiter, die Annemarie Schwarzenbach sicher auch gekannt hat. Von den Ufern des Lej da Champfèr und des Silvaplanersees ist Sils schon in der Ferne zu sehen.