Staunen am Feierabend

Wenn die Sonne untergeht, taucht sie die Natur in kräftige Farben. Vier Feierabendwanderungen zu idyllischen Plätzen. Jetzt im neuen WANDERN.CH

Schweizer Wanderwege

In dieser Ausgabe präsentieren wir Ihnen Feierabendwanderungen: Das Augstmatthorn, ein in eineinhalb Stunden erreichbarer Gipfel oberhalb des Brienzersees, bedient die Sportlichen, die Aarewanderung im Solothurnischen sowie die Seewanderung am Sihlsee die Gemütlichen. Und wer ganz in sich gehen will, der entschleunigt im Wald im Zürcher Oberland.

In den Feierabend wandern

Abendstimmung auf dem Monte Boglia TI.

Nicht jede Wanderung muss den ganzen Tag dauern. Auf dem Augstmatthorn bei Habkern BE sinnieren die Naturfotografen Sandra und Stefan Grünig-Karp über das perfekte Bild zur Abendstunde – und geben Tipps:

Nach Sonnenuntergang

«Die sogenannte blaue Stunde zum Beispiel verpassen wir bei unseren Fotoausflügen selten. Das Höchste der Gefühle ist es natürlich, sich bei Vollmond auf den Rückweg zu begeben, wenn man die Stirnlampe getrost im Rucksack lassen kann.»

Wahl der Landschaft

«Natürlich ist es schön, wenn es sich um eine abwechslungsreiche Landschaft mit besonderer Aussicht handelt. Freistehende Einzelbäume bereichern die Motive ungemein, aber auch kleine Seelein und Blumenwiesen.»

Planung

«Das Kartenstudium ist zentral. Hier wird die Umgebung erkundet und die Lage der Sonne ermittelt.»

Wetter

«Gerade im Frühling und Sommer können sich die Verhältnisse im Verlaufe des Nachmittags rasant ändern. Im Frühling kann es durchaus sein, dass man sich am Abend auf dem Gipfel in dichtem Nebel befindet oder die gewünschte Sicht auf die Berge schlichtweg verdeckt ist.»

 

Weitere Tipps zum Zustieg und zur Ausrüstung im aktuellen Magazin WANDERN.CH.

Beim Eindunkeln erwacht der Hase

Eine weitere Feierabendwanderung führt ins Hasenland von Selzach SO, wo eine Biologin nachts die Jungtiere erfasst hat.

In den letzten drei Jahren musste sich Denise Karp oft dick einpacken. Abend für Abend stand sie nach Einbruch der Dunkelheit hinten auf einem alten Kleinlaster. Liess sich im Schritttempo über Feldwege durch endlos scheinende Felder kutschieren. Starrte dabei angestrengt in ihre Wärmebildkamera. War ein heller Fleck zu erkennen, hiess sie das Auto anhalten, indem sie kurz auf das Blechdach klopfte. War der helle Fleck ein Fuchs, ein Reh, ein Hase? War es vielleicht sogar ein Junghase? Oder doch nur eine Maus? Bei grossen Tieren reichte das Einschalten des Scheinwerfers und ein Blick durch den Feldstecher. Bei kleinen sprang sie behände von der Ladefläche und ging in der Dunkelheit, die Wärmebildkamera in der Hand, zu Fuss dem hellen Punkt entgegen. Dann markierte sie ein Kreuz oder ein Dreieck oder gar nichts auf ihrer Karte. Im besten und seltensten Fall konnte sie einen Junghasen aufspüren. Denise Karp tat das nicht einfach so. Sie agierte im Dienst der Wissenschaft. Karp ist nämlich Biologin. In ihrer Doktorarbeit will sie herausfinden, in welchen Landwirtschaftskulturen der Junghase die besten Überlebenschancen hat.

Der Feldhase steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, denn der Hasenbestand hat in der Schweiz seit den 1970er-Jahren dramatisch abgenommen. Als Grund dafür wird vermutet, dass zu viele Junghasen die kritischen ersten Wochen nicht überleben. Weil sie sich in diesem Alter noch nicht bewegen und sich ganz auf ihre Tarnung verlassen, sind sie an ungeschützten Orten wie Weiden oder Ackerrändern ein leichtes Opfer für Fressfeinde wie Füchse und Greifvögel. Aber auch von Hunden oder nächtlichen landwirtschaftlichen Arbeiten können sie empfindlich gestört werden.

Lesen Sie im aktuellen WANDERN.CH, wie sich die Hasenbestände langsam erholen.

Geduld, Vorsicht und getrennte Wege

Angriffe von Mutterkühen auf Wanderer sind selten, doch die Begegnungen können graviaerende Folgen haben. Auf dem Weissenstein und in Laax haben die Verantwortlichen nach schweren Unfällen umfassende Schutzmassnahmen ergriffen, damit das Wandern wieder unbesorgt möglich ist.


Anfang August 2015. Oberhalb von Laax im Kanton Graubünden attackieren Mutterkühe eine Frau und verletzen sie so schwer, dass sie noch vor Ort stirbt. Die 77-jährige Touristin war auf dem viel begangenen Wanderweg zwischen Nagens und Grauberg unterwegs, der eine Weide mit Mutterkühen quert. Drei Jahre zuvor, im Juli 2012, ereignete sich auf dem Solothurner Weissenstein ebenfalls ein Unfall mit Mutterkühen. Eine Frau wanderte mit ihren zwei Enkelkindern und einem angeleinten Hund über die Rötifluh, als eine Mutterkuh auf die Gruppe losrannte, die Frau zu Boden warf und ihr einen mehrfachen Beckenbruch und eine tiefe Wunde im Arm zufügte.

Zäune und neue Wegführung

Auf dem Weissenstein trifft man rasch weitgehende Schutzmassnahmen, ist doch das Gebiet stark frequentiert. Am Ort des Unfalls entstehen zusätzliche 1400 Meter Zäune, sie sollen die direkte Begegnung zwischen Mensch und Mutterkuh verhindern. Der Aussichtspunkt auf der Röti sowie einige Sitzbänke werden ausserhalb der Weide platziert und von den Tieren abgetrennt. An einem zweiten heiklen Ort wird der Wanderweg gar umgeleitet – ein aufwendiges Unterfangen: Der neue Weg benötigt rund 100 Stufen, eine solide Befestigung, eine neue Beschilderung und ebenfalls Zäune. Schliesslich machen Hinweistafeln auf die Anwesenheit der Mutterkühe aufmerksam. Neu sind sie nur dann angebracht, wenn Muttertiere auf den Weiden sind. Zu den übrigen Zeiten ist die Röti frei begehbar, die Zäune sind abgebaut. «Die Massnahmen sind umfassend, aber sie haben sich gelohnt», resümieren Thomas Stüdeli, Geschäftsführer der Solothurner Wanderwege, und Markierungschef Hans Küpfer. «Wir erhalten viele positive Rückmeldungen.» Wichtig ist laut Stüdeli, dass der Weg nach den Anpassungen gleich attraktiv ist wie vorher, damit die Wanderer die Massnahmen befolgen. «Wir haben das Beste erreicht, vor allem dank der konstruktiven Zusammenarbeit von allen Beteiligten.»

 

Weiterlesen im Magazin WANDERN.CH

«Ich wandere, solange mich die Füsse tragen»

Wandern spielt eine wichtige Rolle im Leben des Kulturschaffenden Franz Hohler. Zu Fuss gelingt es dem 73-Jährigen, herunterzufahren und in der Stille zu sich selber zu finden. Darüber spricht er auf der Ruine Frohburg ob Olten, Schauplatz schöner Erinnerungen. Und berichtet, wie er sein zunehmendes Alter glücklich durchwandert.

Video: Franz Hohler liest aus seinen Spaziergängen

Hurra, die Suppe ist... kalt!

Es ist ja nicht so, dass man Suppen heiss essen muss. In Spanien gibt es eine jahrhundertealte Tradition, die viele kalte Suppen umfasst. Dazu gehört der berühmte Gazpacho. Ideal für ein Wanderpicknick an heissen Tagen.

zu den Rezepten

Luxus Dunkelheit

Arme Zürcher, Berner oder Basler! Selbst bei bestem Wetter können sie nachts nur ein paar Hundert Sterne sehen. Zu viel Licht produzieren die Agglomerationen. So richtig dunkel wird es nie. Anders in Lü im Val Müstair. Lü bedeutet auf Rätoromanisch Licht. Und wenn im kleinen Bergdorf auf knapp 2000 Meter Höhe die Lichter ausgehen, kann man von blossem Auge sogar den Sternennebel von Andromeda sehen, eine 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie.

Mehr dazu hier und im neuen Magazin WANDERN.CH!

... und noch viel mehr

Wie man das Picknick so richtig geniessen kann, zeigen wir in der Rubrik Praktisch. Ausserdem nehmen wir Sie mit nach Polen und Berichten über die wilden Flüsse im Graubünden und die wilden Heuer (Wildheuer) im Kanton Uri. Für die Kinder zeigen wir, wie man während der Mittagsrast ganz einfach sein eigenes Domino herstellen kann.

Jetzt im neuen Magazin WANDERN.CH, am Kiosk, als Abo und im App Store.