Der bisher grösste Erdrutsch in bewohntem Gebiet Europas

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Der bisher grösste Erdrutsch in bewohntem Gebiet Europas

Nach dem steilen Aufstieg auf den Rücken der Chrüzflue sieht man im Osten einen Gegenhang, der mit niedrigen Büschen und Bäumen bewachsen ist und sich deutlich von den umliegenden, mit Nadelwald bedeckten Hängen abhebt. Dies ist ein Teil des Rutschhangs von Falli-Hölli, wo sich 1994 der bisher grösste Erdrutsch in bewohntem Gebiet Europas ereignete.


Natur- und Wetterereignisse

In dieser Artikelreihe bieten wir Ihnen detaillierte Einblicke in die Wetter- und Naturereignisse, deren Spuren Sie auf unseren Wandervorschlägen gefahrlos nachverfolgen können.

Erste Anzeichen

Schon Monate vorher gab es erste Anzeichen von Rutschungen, etwa Risse in Fassaden, defekte Wasserleitungen und meterlange, tiefe Spalten im Gelände.

Bei diesem Erdrutsch auf dem Gemeindegebiet von Plasselb wurde eine Feriensiedlung mit etwa 30 Gebäuden zerstört. Im Sommer 1994 beschleunigte sich die Rutschung. Der Hang bewegte sich bis zu sechs Meter pro Tag abwärts und riss die Häuser bis zu 200 Meter weit in einer Masse aus Schlamm, Gesteinsbrocken und Holz, die bis zu 40 Meter tief reichte, mit. Der Erdrutsch kam erst im Frühling 1995 zwei Kilometer weiter unten im Tal am Höllbach zum Stehen. Das Bachbett war aufgefüllt und der Höllbach zu einem See gestaut. Expert:innen befürchteten, es könnten Schlammlawinen entstehen, die sogar noch die Anwohner:innen ausserhalb des Plasselbschlunds gefährden würden, doch dies geschah zum Glück nicht.

Immer wieder

Zuerst waren die Behörden davon ausgegangen, dass die Rutschungen im Zusammenhang mit den besonders niederschlagsreichen Vormonaten stünden, welche den Untergrund aus Flysch in Bewegung gebracht hätten. Bohrungen und geologische Untersuchungen zeigten jedoch, dass es schon vor Jahrtausenden immer wieder zu grösseren und kleineren Rutschungen in diesem Gebiet gekommen war.

Aus solchen Ereignissen lernen

Heute weiss man, wie wichtig Naturgefahrenkarten für eine sichere Raumplanung sind. Der Bau der Feriensiedlung löste den Rutsch nicht aus. Sie hätte aber auf diesem instabilen Untergrund nie gebaut werden dürfen. Das Rutschgebiet ist bis heute immer wieder in Bewegung und wird nach wie vor von Geolog:innen und Architekt:innen aus dem In- und Ausland als Anschauungsort besucht. 

«Schweiz aktuell» vom 15. Juni 1994

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    1994 ereignete sich der bisher grösste Erdrutsch in bewohntem Gebiet Europas. Bild: Keystone, 1994

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    Das zerstörte Restaurant und die stark beschädigte Zufahrtstrasse bei der Ferienhaussiedlung. Bild: Keystone, 1994

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    Das Rutschgebiet, das inzwischen mit Büschen und kleinen Bäumen bewachsen ist und sich deutlich unterscheidet vom Nadelwald in der Umgebung, sieht man besonders gut auf einem Luftbild.

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    Das Rutschgebiet ist bis heute immer wieder in Bewegung.

    Naturgefahrenportal des Bundes

    Naturgefahrenportal des Bundes: Das Portal zeigt die aktuelle Naturgefahrensituation in der Schweiz. Auf einer übersichtlichen Karte werden die momentane Lage sowie Warnungen  zu sämtlichen Naturgefahren, wie Wetterextreme, Überschwemmungen und Rutschungen, Erdbeben, Lawinen oder Waldbrandgefahr dargestellt.

    Wandervorschlag
    Aussichtsreiche Höhen in den Freiburger Voralpen
    St. Silvester, Dorf — Plasselb, Dorf • FR

    Aussichtsreiche Höhen in den Freiburger Voralpen

    Auf dieser Wanderung kann man erleben, dass auch in den Voralpen extreme Wetterereignisse wie Sturm und Starkniederschlag Schäden verursachen können.
    Einige Wanderminuten nach St. Silvester quert der Wanderweg eine grosse Weide mit Mutterkühen, die sich Wanderer gewohnt sind und ruhig weiterfressen. Nach Gross Schwand leitet ein mehr oder weniger deutlicher Pfad über die Weiden in den blockreichen Wald am Fuss der Chrüzflue. Umgestürzte Bäume zeugen von früheren Stürmen. Sorgfältig in den steilen Hang gebaute Stufen und an exponierten Stellen angebrachte Kabel leiten sicher hoch auf den breiten Rücken der Chrüzflue. Alte Wegspuren zeigen, dass der Wanderweg schon mehrmals von der dem Wetter ausgesetzten und entsprechend erosionsanfälligen Abbruchkante im Westen weg verlegt werden musste. Im Osten ist an einem Gegenhang auch der grosse Hangrutsch bei Falli-Hölli zu sehen, bei dem 1994 eine ganze Ferienhaussiedlung zerstört wurde. Der Gipfel der Chrüzflue bietet Sitzgelegenheiten, eine Feuerstelle und lohnende Aussicht. Der Abstieg hinunter zur Ärgera ist stellenweise etwas steil und holprig. Der Wanderweg ist in sicherem Abstand zum Bachbett angelegt. Geröll und Geschiebe am Ufer zeigen, wie wild die Wassermassen der Ärgera nach starken Niederschlägen toben können.

    Da möchte ich hin
    Broschüre

    Wetterereignisse waren schon immer Teil der Erdgeschichte, aber der Klimawandel zeigt sich deutlich, etwa beim Schwinden der Gletscher. Durch den Temperaturanstieg tauen zudem Permafrostböden vermehrt auf, wodurch Bergflanken ihren Halt verlieren, was wiederum die Wanderwege beeinflusst.

    In unserer Herbstbroschüre lesen Sie, welchen Herausforderungen sich die Verantwortlichen in Zukunft stellen müssen. Ebenso haben wir in der Broschüre zehn Wandervorschläge zusammengestellt, auf denen Sie Naturereignisse der Vergangenheit gefahrlos erleben können.  Die Broschüre können Sie hier bestellen.

    Tags

    Wandervorschlag Wetter Sicherheit Wald Herbst

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