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Auf preisgekröntem Weg durchs wilde Val Sumvitg Nr. 2359
Runcahez Val Sumvitg — Surrein, vitg • GR

Auf preisgekröntem Weg durchs wilde Val Sumvitg

Um ein Gebiet mit Steinschlaggefahr zu umgehen, wurden im Val Sumvitg der Bergwanderweg auf die andere Talseite verlegt und eine neue Brücke gebaut, damit der Zugang zur Terrihütte erhalten bleibt. 2026 wurde das Projekt mit dem Prix Rando ausgezeichnet. Auch ohne Abstecher zur Hütte ist die Brücke in der gleichermassen anmutigen wie rauen Landschaft ein lohnendes Wanderziel. Von Juni bis Oktober fährt vom RhB-Bahnhof Rabius-Surrein zweimal täglich ein reservationspflichtiger Bus Alpin bis zum kleinen Stausee Runcahez. Von da an führt der Wanderweg dem Rein da Sumvitg entlang immer weiter talaufwärts. Dank des Widerstands von Naturschützern gegen die Überflutung der Greinahochebene rauscht der Bergbach heute noch naturbelassen dem Vorderrhein entgegen. Vor allem ganz hinten im Tal, im Gebiet Encardens, hat er schöne Pools in den Granit geschliffen, die im Hochsommer Wandernden eine willkommene Abkühlung bieten. Nach einer ausgiebigen Rast bei der neuen Brücke geht es ein Stück weit den gleichen Weg zurück bis zum Übergang Clavaus, der auch für den Viehtrieb genutzt wird. Hier wechselt man die Flussseite und wandert gemütlich auf der linken Talseite abwärts. Plötzlich taucht ein verlassener Hotelkomplex aus dem Nichts auf. Das Tenigerbad entstand im 19. Jahrhundert, wurde in den 1970er-Jahren nochmals kräftig ausgebaut und ging dann bald Konkurs. Weitere Höhepunkte auf dem Rückweg sind die Punt pendenta, die Hängebrücke über einen Seitenbach des Rein da Sumvitg, und die traditionsreiche Ustria Val Sumvitg. Der letzte Abschnitt führt oberhalb einer wilden Schlucht bis nach Surrein, wo man von der gewagten Architektur des Wohnhauses von Simon Jacomet, einem einheimischen Skidesigner und Künstler, überrascht wird. Vom Dorfzentrum fährt ein Bus zurück zum Bahnhof – oder man wandert in gut 20 Minuten auf die andere Talseite.
Rundwanderung vom Bergseeli zum Wasserfall Nr. 2391
Lauenensee • BE

Rundwanderung vom Bergseeli zum Wasserfall

Von der Bushaltestelle Lauenensee folgt man zunächst dem gelb signalisierten Wanderweg Richtung Louwenesee. Der kleine Schlenker zu Beginn der Wanderung lohnt sich: Eingebettet zwischen Moorflächen und Wiesen, spiegelt das klare Wasser des Sees die Gipfel der Umgebung. Für ein kurzes Wegstück folgt man der Schweiz-Mobil-Route 307 südwestlich. Sobald die Steigung beginnt, verlässt man sie und hält sich links am Waldrand. Auf einem unmarkierten Weg geht es wenige Meter zurück zum Gältebach, wo der Weg in einen weiss-rot-weiss markierten Bergwanderweg mündet. Nun folgt man der Signalisation Richtung Geltenhütte SAC. Immer wieder in Seh- und Hörweite des Gältebachs steigt der Wanderweg nun das Tal hinauf. Bei Im Ture gibt ein erster Wasserfall einen Vorgeschmack darauf, was kommt. Schliesslich erwartet einen der eigentliche Höhepunkt der Wanderung: der Wasserfall Gälteschutz. Über eine Fallhöhe von 180 Metern krachen hier gewaltige Wassermassen in die Tiefe. Umgeben von bunten Blumenwiesen und markanten Felswänden entfaltet sich eine spektakuläre Kulisse – besonders eindrucksvoll nach der Schneeschmelze. An der angrenzenden Bergflanke des Gälteschutz wird der Weg steiler und felsiger. Hier ist Trittsicherheit gefragt. Auf 2002 Metern erreicht man schliesslich die Geltenhütte SAC, die inmitten des Naturschutzgebiets Gelten-Iffigen zur Einkehr einlädt. Die Hütte liegt am Fusse des Hahneschritthore, mit Blick auf Wildhorn, Geltenhorn und Arpelihore. Der Rückweg führt abwechslungsreich an der anderen Talseite entlang. Via Gältetrittli und Tungeltrittli führt der Weg bis nach Vorschess, wo eine enge Kehrtwende in einem gelb markierten Wanderweg mündet und einen zurück an den Louwenesee bringt. Zum Abschluss kann nochmals der Blick auf den zweiten grossen Wasserfall dieser Wanderung, den Tungelschutz, genossen werden. Er sammelt die Gewässer der Alpen Stieretungel und Chüetungel und ergiesst sich über steile Felsen in den Tungelbach.
Auf Reptilien-Tour im Schenkenbergertal Nr. 2334
Schinznach Dorf, Oberdorf — Thalheim AG, Dorfplatz • AG

Auf Reptilien-Tour im Schenkenbergertal

Das Aargauer Schenkenbergertal liegt recht unscheinbar hinter der ersten Jurakette zwischen Aarau und Brugg. Trotz seiner Nähe zum Mittelland fühlt man sich hier bereits weit weg von Autobahnen, Logistikzentren und der geschäftigen Welt. Felder, Wiesen und Rebberge breiten sich in den niedereren Lagen aus, während die steileren Hügelzüge bewaldet sind, sodass sich so eine abwechslungsreiche Rundwanderung ergibt. Von Schinznach Dorf geht es auf dem 2022 eröffneten Historischen Rundweg den Berg hinauf, zwischen dem Wald und ausgedehnten Rebbergen. Dieser Teil der Wanderung ist gleich auch der erfolgversprechendste Abschnitt, um Eidechsen zu entdecken. Mauereidechsen sonnen sich bei günstigem Wetter gerne auf den Steinen der langen, streckenweise neu errichteten Trockenmauern, während Zauneidechsen sich eher in der Vegetation aufhalten. Besonders die Zauneidechse ist darauf angewiesen, dass der Mensch ihr solche Lebensräume schafft, da viele Populationen durch die intensive Landwirtschaft auf kleinste Bestände geschrumpft sind. Auf den freien Höhen bei der Buechmatt ergeben sich die ersten schönen Weitblicke über das ganze Schenkenbergertal. Anschliessend geht es für ein paar Kilometer südwestlich durch den Wald. Etwas vor der Staffelegg, dem Passübergang zwischen Aarau und Frick, kehrt die Wanderung wieder nach Osten. Meistens wandert man nun auf angenehmen Schotterstrassen durch Felder und an Waldrändern entlang in Richtung Thalheim AG. Auf einem bewaldeten Hügel in der Mitte des Tales thront die Burgruine Schenkenberg mit ihren eindrücklichen Mauern und Türmen. Sie wurde im 13. Jahrhundert von den Habsburgern errichtet und verfiel im 18. Jahrhundert. Heute ist sie gesichert und konserviert und sogar ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung. Für die Heimreise nimmt man den Bus beim grossen Brunnen auf dem Dorfplatz von Thalheim AG.
Idyllische Wildnis und Steinbruch bei La Sarraz Nr. 2327
Ferreyres, village — Eclépens, gare • VD

Idyllische Wildnis und Steinbruch bei La Sarraz

Am Mormont prallen Welten aufeinander: Eindrückliche Natur wechselt sich ab mit industrieller Geschichte der letzten Jahrzehnte. Denn am Fusse des Hügels wird Kalkstein abgebaut, aus dem schliesslich Zement entsteht. Ab der Bushaltestelle «Ferreyres, village» geht es zuerst sanft hinunter zur Venoge. Bald nach deren Überquerung kommt man zu einer Strasse und folgt dieser einige Dutzend Meter bis zu einem Parkplatz. Wegweiser zeigen Richtung der Tine de Conflens, zu einer Schlucht mit einer Gruppe von gerade im Frühling besonders lebhaft sprudelnden Wasserfällen. Der Ort ist bekannt und beliebt, weshalb sich ein Besuch an einem Werktag oder sonst frühmorgens am Wochenende empfiehlt. Ein Waldweg führt bis zur Industriebrache La Filature, von 1871 bis 1977 Standort einer Textilfabrik und heute ein Kunsthandwerk- und Kulturzentrum. Danach durchquert man das Städtchen La Sarraz in Richtung des Bahnhofs. Der nächste Abschnitt folgt dem Chemin des Vignes bis zum Dorf Eclépens. Nach einer knappen halben Stunde erreicht man den von Holcim betriebenen Steinbruch. Mehrere Hütten dienen dem Schutz von Wandernden bei Sprengungen, die zum Abbau des Gesteins vorgenommen werden. Ein kostenloser Informationsdienst warnt auf Französisch per SMS jeweils 15 Minuten vor einer Sprengung. Um den Steinbruch herum geht es zurück in den Wald und über den Hügel. Anschliessend führt ein nicht signalisierter und offiziell unterhaltener Weg zum Canal d’Entreroches, angelegt im 17. Jahrhundert als Teil eines geplanten Netzes von Kanälen zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer – ein Vorhaben, das nie vollendet wurde. 400 Meter vom Kanal in östlicher Richtung befindet sich der Parc naturel des Jonquilles (auf Google Maps eingezeichnet), in dem zu Beginn des Frühlings die Osterglocken blühen. Ab da ist es nicht mehr weit bis zum Bahnhof von Eclépens.
Über die Krete des Fringelibergs Nr. 2362
Bärschwil, Dorf • SO

Über die Krete des Fringelibergs

Bärschwil liegt in einem Talkessel südlich von Laufen und nördlich eines Ausläufers des Kantons Jura. Rundherum liegen sanfte, bewaldete Hügel, die im Herbst feurig leuchten. Einer davon ist der Fringeliberg, auf den diese Wanderung führt. 1557 wurde der Gebirgszug von einem Solothurner Stadtbürger namens Andreas Fringeli gekauft und trägt im Volksmund seither seinen Namen. Noch heute sind Fringelis in Bärschwil wohnhaft und heimatberechtigt. Rasch ist das kleine Solothurner Dorf verlassen, und über eine Kuhweide geht es an Bützi vorbei aufwärts. Es folgt ein steiler Anstieg durch den Wald. Hier ist Vorsicht geboten: Unter dem Falllaub kann es nass und rutschig sein, zudem ist das Gelände uneben. Trittsicherheit und gutes Schuhwerk sind gefragt. Zwischen den bunten Baumkronen ragen rechterhand senkrechte Kalkfelsen in die Höhe. Schliesslich bricht der Weg aus dem Wald heraus. Nun braucht es etwas Orientierung, da sich die Wegspur im Gras verliert. Folgt man der Signalisation, führt der Wanderweg geradewegs über die Wiese zum Weiler Vögeli. Auf einem Mergelweg wandert man mit Blick auf die Roti Flue gemächlich den Hang hinauf. Schliesslich biegt der Wanderweg links ab und führt auf den Rechtenberg, einen Abschnitt des Fringelibergs. Oben wartet ein hübscher Picknickplatz beim Naturfreundehaus. Danach wandert man auf der Krete weiter. Weisses Gestein blitzt zwischen roten Buchenblättern hervor. Auch hier besteht im Herbst Rutsch- und Stolpergefahr. Man ist fast allein unterwegs und geniesst fantastische Ausblicke auf das Schwarzbubenland, den Schwarzwald, die Vogesen und das Val Terbi. Nach einiger Zeit biegt der Wanderweg links Richtung Ober Fringeli ab. Von da gehts steil abwärts – erst durch Wald, dann über Landwirtschaftsland, vorbei am Haselhof, und schon bald ist man wieder mitten in Bärschwil.
Bei jedem Wetter auf dem Luzerner Kapellenweg Nr. 2361
Hellbühl, Post — Buttisholz, Dorf • LU

Bei jedem Wetter auf dem Luzerner Kapellenweg

Neben klassischen Schönwetterwanderungen, die man wegen der Aussicht vorwiegend bei Sonnenschein unternimmt, gibt es Routen, die sich auch bei argem Hudelwetter begehen lassen. Der Luzerner Kapellenweg gehört dazu. Ihn säumen zahlreiche Kirchen und Kapellen, die einen lebendigen Einblick in die sakrale Architektur des Luzerner Hinterlands vermitteln – und gleichzeitig für Schutz vor den Unbilden der Witterung sorgen. Der Kapellenweg beginnt bei Hellbühl und endet in Ettiswil. Mehr als fünf Stunden dauert die gesamte Tour. Wem das für einen neblig-nassen Tag zu lang ist, der beschränkt sich auf ein Teilstück. Empfehlenswert ist etwa die erste Hälfte der Route. Dieser Wandervorschlag beginnt mit dem einzigen nennenswerten Anstieg der Strecke: Von Hellbühl geht es 100 Höhenmeter aufwärts nach Hueb. Wenig später erreicht man mit der Katharinen-Kapelle bei Under Herreweg bereits den höchsten Punkt der Tour; von nun an wandert man meist ebenen Wegs via Ruswil, St. Ulrich und St. Ottilien nach Buttisholz. Das sanft hügelige Rottal, durch das der Kapellenweg führt, ist eine Gegend mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Kornfelder, Wiesen und Weiden prägen die Gegend. Die Kehrseite der schmucken Medaille: Die meisten Bauernhöfe sind mit Strässchen erschlossen. Das Verkehrsaufkommen ist zwar gering, für Wandersleute ist die Sache trotzdem etwas unerfreulich: Der Kapellenweg verläuft zu mehr als der Hälfte auf Hartbelag. Zwischen den asphaltierten Strecken gibt es glücklicherweise immer wieder naturnahe Abschnitte. Besonders reizvoll ist etwa das Teilstück von Rüediswil nach Buttisholz. An dieser Strecke liegt auch die Wallfahrtskapelle St. Ottilien. Mit ihrem achteckigen Grundriss und ihrer zierlichen Silhouette ist sie ein aussergewöhnliches Juwel unter den Sakralbauten der Schweiz.
Steinreiche Wanderung über die Fallerfurgga Nr. 2360
Avers, Juf — Mulegns • GR

Steinreiche Wanderung über die Fallerfurgga

Die Schweizer Alpen sind ein vergleichsweise junges Gebirge und ein überaus komplexes Gebilde aus Gesteinen verschiedener Herkunft. Im Laufe der Zeit wurden die Gesteine verfaltet, zerschert und vielerorts wie in einem Ofen verflüssigt und umgeformt. Einer der spannendsten Orte, diese Vielfalt an Gesteinen und Strukturen zu sehen, ist die Fallerfurgga zwischen Juf und Bivio im südwestlichen Graubünden. Vom Startpunkt Juf geht es anfänglich durch weite Wiesen und Weiden hoch zum Stallerberg-Pass. Auf dem weiteren Anstieg an den pittoresken Flüeseen vorbei hoch zur Fallerfurgga wird die Vegetation immer spärlicher, und die ganze Gesteinsvielfalt liegt einem nun zu Füssen. Das Gebiet des Mazzaspitzes linkerhand besteht vor allem aus Serpentinit, Kalk, Tonschiefer und Metabasalt. Der Piz Surpare auf der rechten Seite ist noch vielfältiger: Hier findet man Metarhyolithe, Radiolarite, Dolomite, Tonschiefer, Phyllite und Serpentinite. Stundenlang könnte man hier eine Sammlung von Steinen mit den schönsten Farben, eigentümlichsten Formen und rätselhaftesten Strukturen zusammenstellen. Vom Pass geht es über grobes, aber unschwieriges Geröll hinab durch das lang gezogene Val Bercla. Wer ein ruhiges und idyllisches Plätzchen für eine längere Pause sucht, kann – falls der Bach nicht zu viel Wasser führt – auf 2500 Metern links abzweigen und erreicht über einfaches und wegloses Gelände den Lai Neir. Nach etwa 900 Metern Abstieg von der Fallerfurgga erreicht man Faller, mit ebenen, saftig grünen Wiesen und dem kleinen Weiler Tga. Schliesslich steigt man auf Wanderwegen und Waldstrassen durch das Val da Faller hinab zur Postautostation in Mulegns.
Lausanner Kulinarikwanderung Nr. 2358
Lausanne, Lac Sauvabelin — Lausanne • VD

Lausanner Kulinarikwanderung

Den Kanton Waadt kann man in einem Tag erleben. Jedenfalls kulinarisch. Ob Käse aus den Alpes vaudoises in der Käserei Macharet, Bier aus dem Jorat aus dem Laden La Mise en Bière oder Eglifilets aus dem Genfersee in der Brasserie de Montbenon in der gleichnamigen Esplanade: All diese Köstlichkeiten liegen bei dieser Stadtwanderung in Lausanne am Weg. Zu Beginn bringt der Bus die Wandernden nach «Lausanne, Lac Sauvabelin». Vom Seelein ist der Tour de Sauvabelin nur wenige Schritte entfernt. 151 Treppenstufen später belohnt einen das Panorama auf sämtliche Regionen des Waadtlandes. Danach geht es durch den Wald in den Parc de l’Hermitage. Beim Château Saint-Maire taucht man in die Altstadt ein, ganz nahe ist auch die Kathedrale Notre-Dame. Über die Escaliers du Marché führt der Weg zum Place de la Palud. Beim Schlendern durch die Altstadt und den moderneren Quartierteil Flon findet sich manch eine kulinarische Entdeckung. Der markierte Wanderweg umgeht nun den unübersichtlichen Verkehrsknotenpunkt Flon und bringt mit der Esplanade de Montbenon wieder Ruhe. Durch den Chemin des Croix-Rouges und über die Geleise erreicht man den kleinen Weinberg Languedoc. Nun geht es durch die Chemins de Bon-Abri und du Chouchant zum Vallée de la Jeunesse. Geschaffen für die Expo 64, ist der Park mit den terrassenförmigen Rosenbeeten, einem geschwungenen Betondach und den Spielplätzen einen Besuch wert. Weiter wandert man zum See und diesem entlang bis nach Ouchy, wo auf die Promenade de la Ficelle eingeschwenkt wird. Deren Name spielt auf die Standseilbahn an, die früher Material und Menschen ins industrielle Viertel von Flon transportierte. Unterdessen wurde sie von der Métro ersetzt. In Grancy oben – nahe dem Hauptbahnhof – lohnt sich der Abstecher in die Bäckerei Monco’Pain, um eine Tarte à la raisinée zu geniessen – ein Gebäck aus eingekochtem Apfel- oder Birnensaft aus dem Jura und dem Norden der Waadt.
Auf den Spuren eines bekannten Waadtländer Malers Nr. 2357
Mézières VD, village — Moudon • VD

Auf den Spuren eines bekannten Waadtländer Malers

Eugène Burnand ist einer der wenigen Schweizer Künstler, die schon zu Lebzeiten Erfolg hatten und von ihren Werken leben konnten. Er war weitherum bekannt in Europa, wohnte zeitweise in Versailles, Florenz, Montpellier und Paris, wo er 1921 starb. Begraben wurde er aber in Vulliens im Jorat, diese Wanderung führt an seinem Grab vorbei. Burnands Schweizer Spuren ziehen sich durch eine Landschaft mit stattlichen Bauernhöfen, aus Stein gebaut und heute meist gut erhalten, grossen Ställen und weiten Feldern und – im Herbst – riesigen Haufen von Zuckerrüben. Orte, die Burnand schon im 20. Jahrhundert in realistischem Stil malte – inklusive der Menschen, die hier mit einfachen Mitteln schufteten. Heute tun sie es mit Maschinen, so sind viele Wege dieser Wanderung asphaltiert. Doch das tut der kulturellen Tour keinen Abbruch – im Gegenteil, sie ist auch bei nassem Wetter gut machbar. Man startet im waadtländischen Mézières, überquert den Carrouge und wandert auf die Anhöhe, von wo aus man die Hügelzüge gut sehen kann. Nach Vulliens erreicht man Seppey. In einem hiesigen Schloss hatte Burnand während des Ersten Weltkriegs gelebt und gearbeitet. Entstanden ist hier auch eines seiner Hauptwerke: «Labour dans le Jorat». Es zeigt zwei Männer mit Pflug, der von zwei Kühen und einem Pferd gezogen wird. Rechts im Bild ist das Dörfchen Syens erkennbar. Bald ist die Broye erreicht, entlang welcher man schliesslich nach Moudon gelangt. In dessen Oberstadt ist dem grossen Maler eigens ein Museum gewidmet, das aber nicht täglich offen hat.
Wandern und beobachten in La Sauge Nr. 2356
Sugiez — Cudrefin • VD

Wandern und beobachten in La Sauge

Dieser Ausflug erinnert an eine Matroschkapuppe, enthält er doch eine Wanderung in der Wanderung. Die zehn Kilometer lange Hauptroute führt von Sugiez im freiburgischen Vully bis nach Cudrefin am Waadtländer Ufer des Neuenburgersees. Auf halbem Weg empfiehlt sich die kurze Zusatzschlaufe durch das BirdLife-Naturzentrum in La Sauge. Los geht es im Herzen des Drei-Seen-Lands, dem Broyekanal entlang. Der topfebene Weg windet sich zwischen Wiesen und Schilfgebieten hindurch bis nach La Sauge und hinein in die Grande Cariçaie, das grösste Seeuferfeuchtgebiet der Schweiz. Unterwegs lauscht man dem Rascheln der Schilfrohre und dem Zwitschern der Vögel und bekommt mit etwas Glück auch die eine oder andere Art zu Gesicht. In La Sauge kann die Wanderung gegen Entrichtung eines Eintrittspreises um 500 Meter voller spannender Einblicke in die lokale Tier- und Pflanzenwelt verlängert werden. Dem Naturpfad des BirdLife-Naturzentrums entlang stehen vier Beobachtungshütten, überdacht und mit Sitzbänken ausgestattet. Seit 2001 wurden hier über 200 Vogelarten gesichtet. Eisvögel sowie Silber- und Seidenreiher zählen zu den Stammgästen, aber neben diesen und vielen anderen Vögeln sind an und in den Weihern des Zentrums auch Biber, Frösche und eine Vielzahl von Insekten und kleinen Wassertieren zu Hause. Je nachdem, wie geduldig man ist, kann man hier ein paar Minuten oder auch den ganzen Tag verbringen – am besten plant man für den Besuch etwa anderthalb Stunden ein. Danach geht es weiter nach Cudrefin. Am Seeufer laden mehrere Strände und Picknickplätze nochmals zum Verweilen ein.
Durch die Kastanienselven im Chablais Nr. 2355
Ollon VD — Le Bévieux • VD

Durch die Kastanienselven im Chablais

In einigen Bergregionen waren Edelkastanien früher die Hauptnahrungsquelle. Nun werden die Hochstammanlagen – auch Selven genannt, von lateinisch «silva» für «Wald» – wieder vermehrt gepflegt und aufgeforstet. Gegen Ende Oktober fallen die reifen Früchte, beispielsweise auf der Wanderung von Ollon nach Bévieux. Von Grün über Gelb und Orange bis Tiefrot: Sobald man aus dem Dorf Ollon tritt, liegen einem die Rebberge zu Füssen, und es öffnet sich der Blick übers Rhonetal. Danach führt der Weg durch einen Wald, am Rand geschnitzte Holzfiguren. Da mischen sich zum ersten Mal stachelige Kugeln und längliche gezackte Blätter in die Eichen- und Buchenblätter – der erste Kastanienbaum. Am Himmel kreisen zahlreiche Gleitschirme. Der Weiler Antagnes erstreckt sich entlang der Hauptstrasse, moderne Glashäuser mit Pool reihen sich an schwarzbraunes Holz alter Bauten. Nach einer erneut malerischen Passage durch die Rebberge folgt der Talgrund und etwas weiter hinten befinden sich die Salzminen von Bex. Die Minen können mit einer geführten Tour erkundet werden, im Shop gibt es weisses Salz – und schwarzen Kaffee. Nach einem kurzen Aufstieg öffnet sich der Blick auf eine Kastanienselve: Neben alten, knorrigen Bäumen stehen mittelgrosse und auch sehr junge, frisch gesetzte Pflanzen mit Stützpfosten. Verschiedene Gemeinden im Chablais sind an Aufforstungsprojekten beteiligt, der Kanton Waadt unterstützt den Erhalt und die Pflege des Kastanienanbaus. Aber Achtung: Die Bäume sind Privatbesitz, das Sammeln in grossen Mengen ist nicht erlaubt. Der Weg führt weiter hoch nach Fenalet-sur-Bex. Der alte Dorfkern besteht aus Holzhäusern mit liebevoll gepflegten Nutzgärten und hübschen Lauben für das Savoir-vivre. Ein drittes Mal durchwandert man Reben, diesmal auf einem steilen Weg aus Hartbelag. Nach einer kurzen Waldpassage erreicht man das Tagesziel Le Bévieux, den heutigen Hauptstandort der industriellen Salzgewinnung.
Von Schloss zu Schloss im Rebberg von La Côte Nr. 2354
Rolle — Prangins, Musée national • VD

Von Schloss zu Schloss im Rebberg von La Côte

Schon die Römer haben entlang der Moräne, die der Rhonegletscher entlang des Genfersees formte, Wein angebaut. Vom Schloss Rolle führt der Weg den Hang hinauf in das rund 2000 Hektaren grosse Weinbaugebiet La Côte, eines der grössten der Schweiz. Bis Bugnaux, dem Kulminationspunkt der Wanderung, geht es vorbei an den Schlössern Le Rosey und Chatagneréaz. Wie in den Waadtländer Rebbergen üblich, verläuft der Weg meist auf asphaltierten Wegen. Die Sicht auf die Reben, den Genfersee und die Savoyer Alpen mit dem Mont Blanc entschädigt die Wandernden für diese Mühsal. Am Château de Vincy vorbei führt der Weg über Gilly nach Bursins, der Heimat von Bundesrat Guy Parmelin. Sein Dorf zählt neben zwei Schlössern auch zwei typische Landbeizen, die zu einem Glas Chasselas einladen. Weiter geht es durch die Reben Richtung Westen an den zwei Schlössern in Vinzel vorbei nach Luins. Ein Abstecher hinter die strassenseitige Mauer des Schlosses lohnt sich, vor allem, wenn der Degustationsraum geöffnet hat. Nun führt der Weg leicht bergauf Richtung Begnins, dem Dorf mit der grössten Schlossdichte. Am besten zu sehen ist vom Weg aus das Manoir de Cottens, während vom Château de Menthon und vom Château de Martheray nur die Rückseite oder die Aussenmauer sichtbar sind. Einzig von Le Manoir im Dorfkern ist die repräsentative Fassade von der Strasse aus zu sehen. Von Begnins führt der Weg hinunter zum Bach La Serine. Fortan geht es auf Naturwegen im Schutz schmaler Waldstreifen vorwärts. Während des Zweiten Weltkriegs baute die Armee hier eine Verteidigungslinie. Die Tobleronezacken aus Beton sowie ein entsprechender Lehrpfad säumen den Weg zum Genfersee. Linkerhand befindet sich auf dem Gelände der Villen von Napoleons Nachkommen ein Golfplatz. Nach einer kurzen Einkehr im Strandbistro von Promenthoux geht es das letzte Stück hoch zur welschen Dépendance des Nationalmuseums im Schloss Prangins.
In Basel den Römern auf der Spur Nr. 2352
Basel Dreispitz — Basel SBB • BS

In Basel den Römern auf der Spur

374 n. Chr. taucht der Name Basilia erstmals auf. Der römische Kaiser Valentinian liess in der heutigen Kleinbasler Altstadt ein Munimentum errichten, eine Kleinfestung zur Sicherung der Grenze. Rund um die Rheingasse wurden Gegenstände aus dieser Zeit gefunden, spätrömisches Tafelgeschirr etwa, als «Argonnensigillata» bezeichnete Keramik. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite befand sich auf dem Münsterhügel die mit einer Umfassungsmauer geschützte römische Siedlung. Die Wanderung zu den römischen Wurzeln Basels verläuft quer durch die Stadt und beginnt bei den Merian Gärten, einem riesigen Park mit verschiedenen Grünanlagen wie dem Rhododendrontal. Nach dieser farbenprächtigen Oase pulsiert das Leben am St. Jakob-Park. Das grösste Fussballstadion der Schweiz ist Heimat des FC Basel – an den Betonmauern, die man entlang des Flusses Birs passiert, hat manch einer seine Liebe zum Fussballverein verewigt. Die Birs trennt Basel von Birsfelden und den Kanton Basel-Stadt von Basel-Landschaft. Ihr Ufer gestaltet sich überraschend naturnah, manch lauschiger Rastplatz lockt. Am Birsköpfli trifft die Birs auf den Rhein, ihm folgt man bis zur Wettsteinbrücke. Mit bester Aussicht aufs Münster gehts über den Fluss nach Kleinbasel und in die Rheingasse. Die Mittlere Rheinbrücke führt zurück nach Grossbasel zur Schifflände. Unweit des Münsters, dem Wahrzeichen Grossbasels, können Reste der römischen Umfassungsmauer besichtigt werden, bevor es durchs belebte Zentrum via Marktplatz, Barfüsserplatz, Heuwaage und Zoo bis zu den Türen der historischen Markthalle weitergeht. Hier laden Essensstände aus aller Welt zu einem kulinarischen Abschluss der Tour ein. Der Bahnhof SBB ist dann nicht mehr weit. Auf dieser Wanderung empfiehlt es sich, die Route mittels QR-Code auf der Rückseite in der Swisstopo-App anzuzeigen und für die Navigation zu nutzen. Im Farbenmeer der Grossstadt gehen die Wanderwegweiser schnell unter.
Auf dem Säumerpfad am Sustenpass Nr. 2351
Gadmen, Saageli — Steingletscher • BE

Auf dem Säumerpfad am Sustenpass

Der Sustenpass ist in der Geschichte nie zu einer wichtigen Handelsroute geworden, auch wenn es solche Pläne durchaus gegeben hat. Anfang des 19. Jahrhunderts wollten Uri und Bern eine sogenannte Kommunikationsstrasse bauen, um den Handel mit Käse zu fördern. Vollendet wurde sie aber nie, weil Grimsel und Gotthard während der Bauzeit plötzlich als wichtiger eingestuft wurden. So wandert man heute auf dem ehemaligen Säumerweg dem Sustenpass entgegen, gut abgeschirmt von der Passstrasse. Von der Bushaltestelle «Gadmen, Saageli» geht es zur Staumauer und dem Steiwasser entlang bis zu einer Brücke und einer Weide. Ab hier folgt man dem Gadmerwasser und überwindet die erste steile Geländestufe hinauf nach Wyssemad. Im Rücken ragen die imposanten Bergspitzen der Gadmerflüö in den Himmel, auf beiden Seiten liegen Wälder. Diese werden immer lichter, und bald erklimmt man über durch Steinmauern befestigte Wege die zweite grössere Geländestufe, an deren Ende es einen Grillplatz hat. Nun erreicht man In Miseren, ein Hochmoor von nationaler Bedeutung. Das Gebiet wurde vom Gletscher geformt, geschliffene Rundhöcker zeugen davon. Unberührte Kleinseen, darum herum wilde Verlandungszonen, grosse Felsbrocken sowie ein lockerer Arvenbestand bilden eine friedliche Szenerie. Der Weg besteht aus grossen Steinplatten, die sich malerisch durch Feuchtgebiete ziehen. Bald ist die Baumgrenze erreicht und damit auf der Alp Steingletscher mit ihrer Käserei auch das Ende der Wanderung. Von dort aus sieht man die 1946 eröffnete Passstrasse gut: Sie wurde für den aufkommenden Automobiltourismus gebaut und verfügte über ein ästhetisches Konzept, damit sie «mit der erhabenen Gebirgslandschaft zur Einheit» werde, wie der leitende Ingenieur damals schrieb. Mit Erfolg: Am Eröffnungstag fuhren bereits 15 000 Autos über die Passstrasse.
Seilbahnen, Bergwiesen und Flechtenwälder Nr. 2350
Schmiedsboden — Niederrickenbach • NW

Seilbahnen, Bergwiesen und Flechtenwälder

Nidwalden ist ein «Seilbähnli»-Eldorado. Knapp zwei Dutzend öffentlich genutzte Kleinseilbahnen gibt es in diesem Kanton. Oft sind sie für Bergbäuerinnen und -bauern die einzige Möglichkeit, Güter und landwirtschaftliche Produkte auf Höfe oder Alpen zu transportieren. Doch auch Wandernde und Ausflugsgäste nutzen die Kleinseilbahnen gern. Die Wanderung startet mit einer kurzen Fahrt in der Vierer-Luftseilbahn von Oberrickenbach zum Hof Schmiedsboden. Von dort führt der Weg zuerst hoch über Alpwiesen bis in den Haldiwald. Immer leicht ansteigend, geht es weiter bis zu Ober Sack, wo sich ein eindrücklicher Blick über das Engelbergertal bietet. Nun verläuft der Weg auf einem Grat dem Waldrand entlang und steigt zuweilen etwas ruppiger an. Nach 300 Höhenmetern ist bei der Alp Gigi der höchste Punkt der Wanderung erreicht. Hier würde auch ein Weg Richtung Haldigrat abzweigen, von wo eine Sesselbahn bis Alpboden kurz vor Niederrickenbach hinunterfährt. Denn der folgende Abstieg hat es in sich: Steil geht es über wunderbar blühende Bergwiesen bis Wasserboden und von dort auf einem Feldweg bis zur Oberst Hütti, einem Hof. Nach einem weiteren Abstieg zur Mittlist Hütti biegt der Weg ein in den Steinalper Wald. Dieses Waldreservat ist ein Paradies für Flechten – über 150 Arten wurden hier schon nachgewiesen. Wer genau hinschaut, entdeckt auf Schritt und Tritt solche Mischwesen aus Pilz und Alge. Sie dekorieren die Baumstämme und Äste mit aparten Mustern in weissen, grauen, braunen oder gar gelblichen Farbtönen. Das Waldstück endet auf dem Alpboden, der Talstation der Haldigrat-Sesselbahn. Von hier aus führt ein asphaltierter Weg flach über Weiden, auf denen einige mächtige Ahornbäume dem Vieh im Sommer Schatten spenden. In Niederrickenbach wartet die Wallfahrtskirche – und gleich dahinter das Pilgerhaus mit seinem empfehlenswerten Kuchenbuffet.
Der Urnersee – da wandern, wo andere malten Nr. 2349
Sisikon — Flüelen, Gruonbach • UR

Der Urnersee – da wandern, wo andere malten

Der Urnersee hat schon viele Künstler und Künstlerinnen inspiriert – insbesondere die Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts wie den Genfer Alexandre Calame oder den Briten William Turner. Auf der Wanderung kommt man in den Genuss dieses von steilen Bergflanken eingeschlossenen türkisblauen Beckens – zuerst aus nächster Nähe, später dank Tiefblicken. Die Tour startet beim Bahnhof Sisikon und verlangt im ersten Abschnitt etwas Toleranz: Der Wanderweg verläuft auf Hartbelag, und der Verkehr der Axenstrasse braust an einem vorbei. Zum Glück nur für wenige Meter: Während die Autos im Buggitaltunnel verschwinden, führt die Route rechts davon um den Berg herum. In den Fels gehauene Fussgängertunnel und der Blick auf den Oberbauenstock und den Niderbauen Chulm machen diesen Abschnitt reizvoll. Nach der Buggitalgalerie windet sich der Weg in Serpentinen ans Seeufer hinunter. Dort reiht sich ein lauschiges Plätzchen ans andere. Dazu erfreuen Ausblicke auf den Urnersee mit Gitschen, Uri Rotstock und Schlieren im Hintergrund. Schliesslich erreicht man das Seebeizli bei der Schiffstation Tellsplatte. Nur wenige Meter weiter befindet sich die Tellskapelle, wo einst Wilhelm Tell vor Gessler geflohen sein soll. Vorbei am Glockenspiel, das tagsüber ab 9 Uhr jeweils die ersten zehn Minuten jeder Stunde spielt, befindet man sich bald auf der Tellsplatte. Etwas versteckt hinter einem Gebäude beginnt der Bergwanderweg Richtung Unter Axen. Es ist ein steiler, schattiger Pfad, der über weichen Waldboden führt. Ziel der Wanderung ist das Restaurant Ober Axen, wo währschafte Gerichte serviert werden. Für den Rückweg nimmt man die kleine Seilbahn für vier Personen (Reservierung empfohlen). Während der Talfahrt nach «Flüelen, Gruonbach» schweift der Blick nochmals über den Urnersee, auf dem nun Segel und Surfbretter im Gegenlicht tanzen – ein stimmungsvoller Abschluss dieser abwechslungsreichen Tour.
Dem Lauf des Tabeillon entlang Nr. 2348
Glovelier — Pré-Petitjean • JU

Dem Lauf des Tabeillon entlang

Der Streifzug durch die jurassischen Freiberge wird begleitet vom sanften Murmeln des Tabeillon, dem die Route von Glovelier bis nach Le Prépetitjean zu weiten Teilen folgt. Am Dorfausgang geht der Asphalt in einen breiten Naturweg über, der immer wieder durch schattige Waldstücke führt. Der Aufstieg ist sanft und kaum wahrnehmbar. Die erste, keine besonderen Anforderungen stellende Hälfte der Wanderung ist geprägt von der Ruhe der Landschaft und den Düften der Natur. Unterwegs lassen sich Glockenblumen entdecken und hier und da ein paar Walderdbeeren pflücken. Spektakulärer wird es auf dem nächsten Abschnitt. Zwischen Côte du Droit und Envers de Bollement taucht der Weg in eine Schlucht, die von einer alten Mühle bewacht wird. Wieso hier eine Mühle steht? Das wird bald klar, stösst man doch einige Hundert Meter weiter auf ein altes Schaufelrad und den malerischen Etang de Bollement. Lehrtafeln erläutern, dass dieser künstliche Weiher, angelegt im 16. Jahrhundert, einst wertvolle Wasserkraft für die Verarbeitung von Holz und Getreide lieferte. Flussabwärts standen damals mehrere Schaufelräder, die Sägewerke und Kornmühlen antrieben. Etwas weiter erzählt der Etang du Plain de Saigne eine ähnliche Geschichte. Zwar werden diese Gewässer heute nicht mehr industriell genutzt, doch dafür bewahren sie einen grossen ökologischen Wert, eingebettet in eine Landschaft, die wesentlich zum Reiz dieser Route beiträgt. Die letzten Kilometer über für die Freiberge typische Wytweiden bilden den beschaulichen Abschluss der Wanderung, die am kleinen Bahnhof von Le Prépetitjean endet.
Vielfältige Wege an der Grand Bisse de Lens Nr. 2347
Icogne, Les Vernasses — Chermignon, Diogne • VS

Vielfältige Wege an der Grand Bisse de Lens

Im Wallis sind heute noch etwa 300 Suonen in Betrieb. Viele dieser traditionellen Bewässerungskanäle wurden im Mittelalter angelegt, so auch die Grand Bisse de Lens. Dieser Wasserlauf ist ein gutes Beispiel für die verschiedenen Funktionen der Suonen in der Neuzeit, namentlich für die Landwirtschaft, das Kulturerbe und den Tourismus. Auch Wandernden hat die Grand Bisse de Lens eine erstaunlich vielfältige Palette von Erlebnissen zu bieten. Los geht die Wanderung bei der Bushaltestelle «Icogne, Les Vernasses». Zu Beginn schlängelt sich die Route auf einem idyllischen, mit Wurzeln gespickten Weg durch die üppige Vegetation. Hier gilt es, sich nicht die Zehen zu stossen – vor allem, wenn man vielleicht gerade auf ein spannendes Bötchenrennen auf der Suone konzentriert ist … Nach etwa einer halben Stunde ist der technisch anspruchsvollste und spektakulärste Teil der Wanderung erreicht: das sich an die Felswand klammernde Aquädukt, flankiert von einem steilen und luftigen, weiss-rot-weiss markierten Pfad. Zwar ist die Passage mit Geländern und Seilen gesichert, erfordert aber dennoch Trittsicherheit. Wer für diesen Abschnitt etwas Mut aufbringen musste, wird dafür beim Punkt 1029 belohnt. Hier, wo die Suone einen Knick macht, laden Sitzbänke dazu ein, eine wohlverdiente Pause einzulegen und den Panoramablick aufs Rhonetal zu geniessen. Für Letzteres steht auch ein Hightech-Aussichtsfernrohr mit Angaben zu den umliegenden Gipfeln bereit. Beschaulich geht es danach weiter in Richtung Chermignon-d’en-Bas, mal unter freiem Himmel, mal im Schatten der Bäume. Immer wieder bieten sich vom Pfad aus schöne Ausblicke auf die Ebene, durch die sich die Rhone wie eine riesige Version einer Suone zieht. Mit leichtem Bedauern lässt man den ruhigen Wasserlauf hinter sich und absolviert die letzten Meter bis zur Bushaltestelle «Chermignon, Diogne» an der lärmigen Kantonsstrasse.
Zum Lago Vago, dem türkisfarbenen Bergsee Nr. 2346
Forcola di Livigno • GR

Zum Lago Vago, dem türkisfarbenen Bergsee

Rundum ein Augenschmaus, dazu noch eine abwechslungsreiche und spannende Wegführung – das verspricht diese Gipfeltour. Am besten wählt man einen sonnigen Tag, denn erst dann kommen die Farben des Sees und des Gesteins so richtig zur Geltung. Bis zum Lago Vago ist es eine leichte Bergwanderung, auch noch bis zum Gratansatz. Wer weiter will, benötigt einen sicheren Tritt und Schwindelfreiheit. Zwar bewegt man sich am Gipfelkamm meist durch Gehgelände, doch recht exponiert, hie und da müssen die Hände eingesetzt werden. Die Wanderung beginnt auf dem Forcola di Livigno und folgt zunächst der Grenzlinie zwischen dem Engadin und dem Veltlin. Am Grenzstein auf der Passhöhe biegt man in den Pfad südöstlich bergwärts, vorbei an der Madonna delle Acque, ins Val Orsera. Bei P. 2461 – nun schon in Italien – gabelt sich der Weg und man biegt links ab. Al Vach und Lach dal Vach steht auf den Wegweisern, Monte Vago und Lago Vago im lokalen Dialekt. Vach vom lateinischen vacuum, also «leer», bezeichnet das öde und unbewirtschaftete Gelände, das das Gebiet des Monte Vago charakterisiert. Der italienisierte Name Vago steht für «instabil», wie ein Grossteil der Hänge hier. Nach einem steilen Aufstieg schlängelt sich die Route nordöstlich zum Kar des Monte Vago, in das sich der See bettet. Viele wollen der leuchtenden Perle nahe sein, das zeigt ein Trampelpfad ans Ufer hinunter. Der offizielle Wanderweg führt oberhalb des Sees durch Blockwerk zum Gratansatz des Monte Vago bei P. 2906. Nun geht es rechts der felsigen Kammschneide und den rot-weiss-roten Markierungen nach auf den Gipfel, wo man sich ins Gipfelbuch eintragen kann. Traumhaft die Rundschau: die Berninagruppe, das Hochtal von Livigno, Ortler und Königsspitze stechen hervor. Auf dem gleichen Weg kehrt man zurück. Früher konnte auf dem Forcola di Livigno auch übernachtet werden, das ist seit einigen Jahren leider nicht mehr möglich.
Die kontinentale Wasserscheide in Uri Nr. 2345
Furka Passhöhe — Realp • UR

Die kontinentale Wasserscheide in Uri

Es gibt weltweit nur wenige Punkte, von denen das Wasser in drei verschiedene Meere abfliesst. Einer davon liegt im Gotthardmassiv auf 3025 Metern über Meer, weit oberhalb der Rotondohütte SAC, an der Grenze der Kantone Uri, Wallis und Tessin. Fällt hier Regen, gelangt er entweder in die Adria, ins Mittelmeer oder in die Nordsee. Dreifache kontinentale Wasserscheide nennt sich ein solcher Punkt im Fachjargon. Auf einer zweitägigen Wanderung kann man diesen speziellen Ort erkunden – und noch viel mehr. Ausgangspunkt ist der Furkapass. Von der Postautohaltestelle führt der Wanderweg südostwärts in Richtung Rotondohütte. Viele Zwischenziele, an denen man sich orientieren könnte, gibt es unterwegs nicht. Durch eine karge Landschaft mit vielen Bächen und kleinen Seen und einigen steilen Alpweiden mit Rindern und Yaks geht es in stetigem Auf und Ab der SAC-Hütte auf 2573 Metern Höhe entgegen. Am zweiten Tag steht ein steiler Aufstieg via die Seen des Witenwasserengletschers zum Hüenderstock bevor. Schon dieser Punkt ist magisch: Nach Schatten, Eis und Fels lockt plötzlich das warme Licht des Südens und der Ausblick ins Val Bedretto. Ab hier ist der Weg bis zur Wasserscheide weiss-blau-weiss markiert, er ist aber gut ausgebaut und für trittsichere und schwindelfreie Wandernde gut zu meistern. Eine Metallpyramide kennzeichnet schliesslich das Ziel. Zurück geht es wieder über den Hüenderstock immer dem Grat entlang zum Hüendersattel und dann hinunter bis auf die riesige Schwemmebene Im Tälli unterhalb der Rotondohütte. Wer einen Tag länger Zeit hat, kann nochmals in der Hütte übernachten. Alle anderen steigen zur Alp Oberstafel ab, wo der Wanderweg ins Tal der Witenwasserenreuss mündet. Dieses führt bis nach Realp, von wo ein Zug ins Goms oder nach Andermatt fährt.
Auf einsamen Jurahöhen bei St-Ursanne Nr. 2344
St-Ursanne, gare • JU

Auf einsamen Jurahöhen bei St-Ursanne

St-Ursanne, das mittelalterliche Städtchen am Doubs im Kanton Jura, besticht durch seine gut erhaltene Altstadt und die ruhige Lage zwischen Fluss und Felsen. Doch hinter der idyllischen Fassade verbirgt sich ein düsteres Kapitel: Wie vielerorts in Europa kam es auch in diesem abgelegenen Juratal im 16. und 17. Jahrhundert zu Hexenverfolgungen. Kurz nach dem Start am Bahnhof Richtung Westen biegt der Wanderweg rechts ab und führt auf einem waldigen Skulpturenweg den Hang hinauf. Die Luft ist frisch, Vögel zwitschern, und Schmetterlinge flattern umher. Ein steiler Aufstieg zum Bauernhof Outremont folgt, wo man sich im Hoflädeli mit Spezialitäten eindecken kann. Nach einem weiteren Anstieg ist die Anhöhe über Outremont erreicht. Auf einer Krete führt der Höhenweg nordöstlich durch einen lichten, verträumten Wald. Zur Linken fällt der Blick auf die grüne Ajoie und das benachbarte Frankreich mit den Vogesen. Zur Rechten eröffnet sich ein fantastischer Panoramablick auf die Clos du Doubs, den Chasseral und die Berner Alpen. Schliesslich biegt der Wanderweg in einem rechten Winkel ab und führt über eine Juraweide hinunter zum Hof Montgremay. Die Abzweigung ist signalisiert, aber die Wegspur nur schwer erkennbar. Bei Les Malettes verläuft der Weg kurzzeitig entlang der Passstrasse, und es ist etwas Vorsicht vor dem Verkehr geboten. Wenig später, bei La Caquerelle, bietet sich ein Zwischenstopp im Restaurant an, bevor es über Wiesen und Weiden sanft den Hügel hinuntergeht. Wieder im Tal unten angekommen, findet man sich plötzlich der Autobahneinfahrt von St-Ursanne gegenüber. Ein kurzer, lauter Abschnitt, bevor die Wanderung mit dem imposanten Eisenbahnviadukt Combe Maran, der lauschigen Flusslandschaft und dem etwas weiter flussabwärts gelegenen Altstädtchen nochmals einige Höhepunkte liefert.
Alpine Rundwanderung im Herzen des Glarnerlandes Nr. 2343
Mettmen • GL

Alpine Rundwanderung im Herzen des Glarnerlandes

Zwischen den beiden Glarner Haupttälern, die von Schwanden Richtung Linthal und Elm ziehen, liegt eine fein ziselierte Berglandschaft mit dem Gross Kärpf (2794 m) als höchstem Gipfel. Zusammen mit der Matzlenstock- und der Gandstockkette bildet sich eine grosse, u-förmige Gipfelkette um den Stausee Garichti im Herzen des Gebietes. Das Gebiet ist das älteste erhaltene Wildschutzgebiet in Europa und wurde besonders zum Schutz von Gämsen, Rothirschen und Steinböcken eingerichtet. Weniger bekannt ist, dass es auch für Kreuzottern gute Lebensräume bietet. Die Tiere brauchen sowohl Höhlen und Spalten als Versteck als auch ein gutes Angebot von kleinen Nagern als Beute. Beides finden sie an Plätzen mit reichlich Steinen und einer guten Kraut- und Strauchschicht. Eine lohnende, etwa dreieinhalbstündige Rundwanderung führt in einem grossen Bogen von der Bergstation Mettmen zum Seebödeli, unter dem Gandstock durch und zurück zum Ausgangspunkt. Die Route verläuft meistens durch locker mit Bäumen oder Wäldchen durchsetzte Alpweiden und in den höheren Bereichen durch freie Wiesen und Weiden; damit hat man fast immer einen tollen Blick hinüber zum Glärnisch oder südlich ins Kärpf-Gebiet und weiter in die Glarner Alpen bis zum Tödi. Ein wunderbares Pausenplätzchen bietet sich beim Seebödeli, beim nördlichsten Punkt der Wanderung, an; hier öffnet sich der Blick auch kurz nach Norden und Osten Richtung Schilt und Spitzmeilen. Die Traverse unter dem Gandstock ist eine weiss-blaue-weisse, alpine Route. Der Weg ist manchmal nicht sichtbar, und im Gebiet Breitrus geht es durch steile Abhänge – die Route sollte man nur bei trockenen Bedingungen angehen. Kurz vor Widerstein steht ein hölzerner Wildbeobachtungsturm, dann geht es hinab zum Stausee Garichti und zurück zur Bergstation der Luftseilbahn.
Von der Schweibenalp dem Wasser folgend Nr. 2342
Brienzerberg, Bramisegg — Iseltwald, Dorfplatz • BE

Von der Schweibenalp dem Wasser folgend

Eine Alp, die schon die Druiden als Kraftplatz ehrten; ein magischer Wasserfall, dem man nicht nur hautnah folgt, hinter dessen Vorhang man auch durchschlüpfen kann; ein Hotel, das wie ein Märchenschloss aussieht; ein verwunschener Uferweg, der durch einen der letzten Urwälder der Schweiz führt; intime Badeplätze am türkis leuchtenden Brienzersee – diese Wanderung strotzt vor Höhepunkten, konfrontiert zwischendurch aber auch mit Übertourismus, zum Glück aber nur an ein paar Punkten wie rund um das Grandhotel Giessbach, bei der Standseilbahn und an der Schifflände von Iseltwald. Dazwischen ist man oft einsam auf den Pfaden unterwegs. Von der Postautohaltestelle Bramisegg erreicht man über ein in den Fels gehauenes Zufahrtssträsschen südwestlich durch die Giessbachschlucht in nur einer Viertelstunde die Schweibenalp, wo der Permakultur-Erlebnispfad in einen nachahmenswerten Kosmos entführt. Faszinierend auch das Wildbienenbiotop, das in den letzten zwei Jahren entstand. Viele Wild- und Nutzpflanzen sind darauf angewiesen, dass sie von bestäubenden Insekten besucht werden, um überhaupt Samen und Früchte ausbilden zu können. Eine wichtige Rolle unter den Bestäubern nehmen die Honig- und Wildbienen ein. Kaum vorstellbar, dass es an die 700 verschiedene Arten allein in der Schweiz geben soll – solange man ihnen nicht die Lebensgrundlage nimmt. Einmal im Monat finden auf der Schweibenalp Führungen statt, bei denen man viel Hintergrundwissen erfährt. Beim Haupthaus gibt ein gelber Wegweiser die Richtung vor. Ein steiler Pfad windet sich entlang der Wasserfallstufen durch die Giessbachschlucht zum Grandhotel hinunter, wo man entweder mit der historischen Standseilbahn oder über den Wanderweg den Brienzersee erreicht. Weiter geht es auf dem Uferpfad nach Iseltwald.
Durch Champérys Felsenkessel zur Cantine Nr. 2341
Champéry, Grand-Paradis — Champéry, Barme • VS

Durch Champérys Felsenkessel zur Cantine

Diese Wanderung verläuft zum grossen Teil entlang eines imposanten Felsenkessels zwischen den Dents du Midi und den Dents Blanches. Die Wände sind hoch und steil, mehrere Wasserfälle sprudeln mächtig von ihnen auf die grüne Alp herunter. Doch erst muss man sich dieses Naturspektakel etwas erarbeiten. Vom Bahnhof in Champéry wandert man runter nach Les Couailles – oder man nimmt das Touristenbähnli, die Navette, nach Le Grand-Paradis. Dann beginnt der Aufstieg, der aber schon nach einigen Höhenmetern durch die Cascade de la Saufla unterbrochen wird: Bevor der Weg den Bach quert, führt ein kleiner Weg rechterhand zum Wasserfall – der kurze Abstecher lohnt sich. Durch den Wald arbeiten sich die Wandernden anschliessend immer höher, bis sie auf eine Alp kommen. Nun kommt der eingangs erwähnte Abschnitt, der mehrere grosse Bäche quert – einen davon über die Hängebrücke Belle Étoile. Ausgangs des Felsenkessels lohnt sich dann ein Halt im Refuge de Bonavau – nicht nur wegen der Früchtekuchen. Nun steht ein erneuter Anstieg an. Auf dem Bergrücken angelangt, gibt es einen Abstecher zum kleinen Gipfel Signal de Bonavau. Der Blick reicht – an den Dents du Midi vorbei – bis ins Rhonetal. Fortan geht es fast nur noch bergab über Schafweiden und durch Wald. Bis die Ebene von Barme erreicht ist: Dort warten zwei Cantines auf die Wandernden. Es sind ehemalige Alpen, die durchs Aufkommen des Tourismus im 19. und 20. Jahrhundert zu kleinen Restaurants umgebaut worden sind – und heute noch Feines auf den Tisch zaubern. Man ist nicht allein, fährt doch eine Navette von Champéry nach Barme und zurück. Zudem ist es auch mit dem Auto erreichbar. Das tut der Schönheit des Fleckchens aber keinen Abbruch.

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